Posts Tagged 'Wien'

Prognosen zum Wahlmarathon 2010

Mal wieder auf  den letzten Drücker: Thomas von feuerhaken.org hat eine Blogparade zum Wahljahr 2010 ausgerufen. Und weil es thematisch ja wirklich sehr gut in diesen Blog hier passt, werde ich heute, am letzten Tag  der Blogparade, einen Beitrag basteln.

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#unibrennt – Das Problem, nicht zu wissen, wann man sich bewegen sollte

Ich musste anfangs schon sehr viel Häme (unter Anderem auch durchaus gerechtfertigt) einstecken, als ich voller Freude über diesen Mut und diesen Aktionismus, berichtete und #unibrennt an vielen Orten verteidigte. Aber heute möchte ich euch erklären, warum ich mich mit dieser Sache nicht mehr identifizieren kann.

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“FH-Studis werden laut” – Wirklich?

Warum ich mich mit den Uni-Protesten absolut identifizieren kann, es mir aber schwer fällt, den FH-Protest voranzutreiben. Warum dieses Treffen gestern Abend selbst das Interesse bei wirklich Interessierten sehr schnell schwinden ließ und warum einfach irgendwie ja doch etwas falsch läuft.

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Das Ende des öffentlichen Raums am Beispiel des Augartenspitzs

Trotz 9 Monaten Wien habe ich den Augarten nie betreten. Wahrscheinlich, weil ich ihn bis vor Kurzem noch gar nicht kannte. Der geplante Bau eines Konzerthauses für die Wiener Sängerknaben wirft wieder einmal die Frage auf, wie mit öffentlichem Raum umgegangen werden darf.

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Zum Dampf ablassen: Uni Wien

Man betrachte diesen Eintrag hier als ein kleiner Einschub zum reinen Dampf ablassen. Mehr soll er auch nicht sein. Aber der Ärger ist da. Ich bin schon ganz still und blicke mit bösen Augen ins Nichts. Hmpf.

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Ein Lichtermeer ums Parlament

Wie aus einem Aufruf auf Facebook eine Lichterkette wurde. Wie diese Sache wieder beweist, welche Fähigkeiten diese Social Networks selbst in Österreich haben. Und warum ich doch ein kleines bisschen enttäuscht bin. Und schließlich und endlich, warum ein klein bisschen Anarchie auf den Straßen Wiens etwas Wundervolles ist.

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BarCamp Vienna 09

Gerade eben erst bin ich vom ersten Tag des BarCamp Vienna 09 zurückgekommen. Und ich muss sagen: es war ein langer Tag.

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Laura, Vorwahlen und Werner

Das großartige Monatsmagazin “DATUM” (Vielen Dank an sugarmelon für die Empfehlung!) bringt in der aktuellen Ausgabe eine kleine Reportage zur SP-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas. [Hier ein kurzer Ausschnitt]

Und Jana Herwig, Martin Schimak und Helge Fahrnberger haben am 1. April eine Initiative zum Wiener Gemeinderatswahlkampf gestartet. Sie starten die grünen Vorwahlen. Ein eigener Blog klärt über diese Idee auf. Laut dem Standard wird die Initiative auch von den Wiener Grünen positiv aufgenommen. [Und ich werde es gespannt verfolgen, wie sich diese Idee weiterentwickelt.]

Und zum Abschluss möchte ich noch auf die erste YouTube-Ansprache unseres Herrn Bundeskanzlers hinweisen. “Zusammenhalt in schwierigen Zeiten” lautet der Titel. Einfach ansehen … und mir vielleicht erzählen, was ihr davon haltet.

“Wir sind im Jahr 2008″ – “Sieg Heil” in der Straßenbahn

Vielleicht, wenn man ein Ur-Wiener ist, wäre es ein historischer Moment gewesen. Die Linien 1 und 2 der Wiener Linien änderten am Nationalfeiertag ihren Fahrplan und fahren seitdem, soweit ich weiß, auch in die Außenbezirke. So fanden sich natürlich so einige ein, um bei der letzten Fahrt auf dem alten Weg dabei zu sein. Aber dabei kam es zu einem Eklat des Fahrers der Straßenbahn, der für mich einfach unentschuldbar ist.

[Das Video wurde ausgetauscht, da das erste Video aufgrund urheberrechtlichen Bedenken aus dem Netz genommen wurde. Nun wurde das erste Video neu hochgeladen]

Ich habe von diesem Vorfall schon in einer Online-Zeitung gelesen, Oliver Ritter hatte dann in seinem Beitrag dann auch das richtige Video parat. Vielen Dank dafür!

Der Fahrer ist laut derStandard.at auf Anfrage bei den “Wiener Linien” mittlerweile vom Dienst susbendiert. Darüberhinaus drohen dem Bim-Fahrer weitere strafrechtliche Konsequenzen, da die Staatsanwaltschaft Wien eine Prüfung durchführen wird, ob Wiederbetätigung nach dem Verbotsgesetz vorliegt. Bei einem Vorliegen von nationalsozialistischer Wiederbetätigung beträgt das Höchstmaß 10 Jahre Freiheitsstrafe. [Oliver Ritter | "Sieg Heil"-Ruf bei Wiener Straßenbahn - Mit Video]

Auch mich hat überrascht, wie groß das Gejohle nach diesem Sager war. Die Buhrufe kamen leider nur sehr spärlich. Von einem Spaß kann hier keineswegs mehr gesprochen werden. Und es ist großartig, wie hartnäckig dieser ältere Herr auf den Dienstausweis des Fahrers beharrt. Der 34jährige Fahrer hat mit seiner Suspendierung (und der möglicherweise kommenden fristlosen Entlassung) genau das bekommen, was er verdient hat. Wiederum lustig fand ich die junge Frau zum älteren Herrn: “Sie haben keine Freude am Leben.”

So etwas darf auf gar keinem Fall geduldet werden. Der Herr und (scheinbar auch einige andere beherzte Mitfahrer) haben das Richtige getan, und den Eklat nicht als “Dummheit” oder “Spaß” abgetan, so wie einige Andere aus dem Hintergrund forderten.

Update: Ich weiß nicht, wie oft ich mir schon dieses Video jetzt angesehen habe. Und ich bin erschüttert – nein, nicht nur wegen dem Bim-Fahrer – sondern wegen der Reaktion eines Großteils der Menschen in dieser Straßenbahn. Quo vadis, Austria? Scheinbar wieder in die vollkommen falsche Richtung. 

Foto: gino.de
Video: frisch123

Im Portrait: Helmut Zilk

Gestern früh verstarb der Wiener Altbürgermeister Helmut Zilk im Alter von 81 Jahren an einem Herzversagen. Hier möchte ich nun einen Überblick über sein Leben, sein politisches Schaffen und einen kleinen Nachruf anfügen.

Helmut Zilk uwde am 9. Juni 1927 im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten geboren. Sein Vater, ein Zeitungsangestellter und Antifaschist, verbot seinem Sohn, bei den Werbern der Nationalsozialisten zu unterschreiben. Dies tat Helmut Zilk auch als einziger der Klasse nicht.

Nach dem zweiten Weltkrieg arbeitete er als “Schulhelfer” im 2. Bezirk und für kurze Zeit war er bei der KPÖ. 1951 promovierte er und ’55 legte er die Lehramtsprüfung für Pädagogik. Seit dieser Zeit arbeitete er – anfangs nebenbei, später hauptberuflich – für den ORF: In den frühen ’60er Jahren gestaltete er z.B. die Fernsehsendung “Was könnte ich werden”? mit, die Schüler über verschiedene Berufsbilder aufklärte. Im Jahre 1967 wurde er von Generalintendant Gerd Bacher zum Fernsehdirektor ernannt. In dieser Funktion begründete  er das Schulfernsehen, die endungen “In eigener Sache”, “Stadtgespräche” und “Auslandsecho” sowe das 2. Fernsehprogramm. 

1974 unter der Regierung Kreiskys,  und dem dadurch stärkeren Einfluss der SPÖ im ORF, wurde der Intendant ausgetauscht. Zilk wechselte zur Kronen Zeitung und arbeitete bis 1970 als Ombudsmann, in denen er Kritik und Beschwerden der Leser an die Verantwortlichen weiterleitete und den Sachverhalt pointiert kommentierte. 1978 war Zilk Kreiskys Wunschkandidat für den Posten des Generalintendanten, gewählt wurde aber noch einmal Gerd Bacher.

1979 begann Helmut Zilks Politikerkarriere. Der SPÖ-Bürgermeister Leopold Gratz holte ihn als Stadtrat für Kultur und Bürgerdienst ins Wiener Rathaus. Aufgrund siener langjährigen Tätigkeit in den Medien hatte Zilk als Politiker von Anfang an mehr Medienaufmerksamkeit als die meisten anderen Mandatsträger.

Als die SPÖ 1983 bei der Nationalratswahl die absolute Mehrheit verlor und mit der FPÖ koalierte, folgte Helmut Zilk Fred Sinowatz, welcher Bundeskanzler wurde, als Bundesminister für Unterricht und Kunst nach. Interessant ist, dass er in dieser Funktion an Gymnasien das Fach Informatik als Pflichtgegenstand einführte. Somit war Österreich eines der ersten Läder Europas. Zilk berief auch Claus Peymann als neuen Burgtheaterdirektor, welcher 1986 sein Amt antrat.

Nach zehnjähriger Amtszeit von Gratz wurde Helmut Zilk 1984 zum Bürgermeister der Stadt Wien, und damit auch zum Landeshauptmanns des Bundeslandes Wien gewählt. 

„Der Dr. Zilk“ war nun in Wien allgegenwärtig – mit gewichtiger Stimme und spektakulären Entscheidungen. Von der Verbannung der Autos vom Rathausplatz über den Einbau von teuren Filtern in Wiens Müllverbrennungsanlagen, den Bau des Schulschiffes, das Film Festival auf dem Wiener Rathausplatz, den „Adventzauber“ und den „Silvesterpfad“ bis zur Volksbefragung über die für 1995 geplante gemeinsame Weltausstellung Wien/Budapest, die vom Volk abgelehnt wurde. 1988 entschied Zilk nach längeren Diskussionen persönlich den Aufstellungsort des 1983 von der Stadt beiAlfred Hrdlicka in Auftrag gegebenen Mahnmals gegen Krieg und Faschismus, das noch im selben Jahr (vorerst provisorisch, feierliche Fertigstellung 1991) auf demAlbertinaplatz errichtet wurde.

Zilk kümmerte sich aber auch um so genannte „Kleinigkeiten“, die Bürger verärgerten. Selbst in der Altstadt wohnhaft, streifte er oft zu Fuß durch die Innere Stadt, neben sich einen Assistenten, der die Aufträge des Bürgermeisters sofort notierte. Dienststellen, die mit seinem Arbeitstempo nicht mitkamen, mussten damit rechnen, mit seiner Billigung in Medien kritisiert zu werden. Infolge dessen schrieb man Zilk große Durchschlagskraft zu. [Wikipedia]

Außergewöhnlich war Zilks möglichst weitreichende Fernhaltung von “reiner Parteipolitik”. Das Amt des Wiener SPÖ-Vorsitzenden überließ er dem Vizebürgermeister Hans Mayr. Und auch rethorisch war er anders, als die gewohnten SPÖ-Politiker: Telegen, gebildet, bei Bedarf goschert, laut und polemisch, aber im Ernstfall auch von großer Sensibilität.

Am 5. Dezember 1993 wurde Zilk Opfer einer Briefbombe. Der Terrorist Franz Fuchs schickte eine Briefbombe an den Wiener Bürgermeister um das von ihm geschaffene multikulturelle, weltoffene Wien zu kritisieren und zu bekämpfen. Helmut Zilk wurde an der linken Hand schwer verletzt. Anschließend beendete er vorzeitig seine politische Karriere und übergab das Amt des Bürgermeisters dem noch amtierenden Michael Häupl. Nur noch einmal, 2003 während der Regierung Schüssel II, wurde er zum Leiter einer Reformkomission zu Fragen der zukünftigen Organisatoin des Bundesheeres bestellt. 

Helmut Zilk war drei Mal verheiratet, 1978 heiratete er die Sängerin Dagmar Koller. Aus seiner zweiten Ehe hatte er einen Sohn. Seit 1995 hatte er seine eigene Sendung im ORF. In “Lebenskünstler” interviewte er vier bis fünf Mal im Jahr verschiedene Persönlichkeiten.

Nachruf

Mit Helmut Zilk starb ein großer Politiker. Und das sage ich vielleicht vor allem deshalb, da er von strikter Parteipolitik immer genügend Abstand nahm. Das machte ich zu einem volksnahen Politiker, der sich wirklich um die Sorgen der Leute und die Zukunft der Stadt Wien annahm. Ich kann sein politisches Wirken nicht richtig bewerten, zu jung bin ich hierfür leider noch. Aber er kommt mir teilweise als vorausschauender Politiker, aber auch als ein solcher vor, der sich eben dann mal kein Blatt vor den Mund nimmt. Seine Kritik am Höhepunkt der Gusenbauerdemontage fand ich überhaupt nicht angebracht. Aber Wiener Bürgermeister haben sich schon immer für zu wichtig genommen. 

Mit Helmut Zilk ist innerhalb von zwei Wochen ein zweiter großer Politiker verstorben. Diesmal ein Altlandeshauptmann. Und ich wette einmal darauf, dass definitiv nicht ein solch großes Tamtam gemacht wird.

Quellen:


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