Für manche ist allein schon der Begriff “Blogosphäre” Grund genug, um an ein Weiterbestehen eben dieser Zusammenfassung aller Blogs zu glauben. Die geplatzte Internetblase der endenden 90er lässt immer noch viele Leute zweifeln, und das, obwohl immer mehr Medien darauf aufmerksam werden.
Ich persönlich blogge nun schon seit Ende 2005, und das mehr oder minder regelmäßig. Ich schreibe persönliche Dinge und literarische Versuche (auf Neon|Wilderness), beschäftige mich mit den Themen Politik, Medien und Web 2.0 hier auf POLILOG, und betreibe auch noch einen Lyrik-, und Fotoblog. Für manche ist das Engagement in mehreren zeitaufwändigen Projekten schon ein Grund, mich als Freak abzustempeln. Aber die Forcierung des Mediums “Blog” in Österreich wäre mir ein großes Anliegen.
Für mich war der Blog in erster Linie ein Zeitvertreib. Doch schon rasch erfreute ich mich auch an der Selbstinszenierung, und der Freude aufgrund der Selbstpublikation in einem Medium, welches theoretisch Millionen bzw. Milliarden Menschen lesen könnten. Doch so interessant war mein persönlicher Blog wohl nie, und auch “professionelle” Blogs haben nur eine begrenzte Reichweite. Was mir fehlt, ist die Vernetzung unter all den Bloggern. Schon gut, die sogenannten BarCamps, oder Webmontage – oder wie all diese (durchaus sehr interessanten und ansprechenden) Veranstaltungen heißen – haben zumindest bei mir schon dazu beigetragen, dass ich einige Blogger persönlich kennenlernen durfte. Doch zu 90 Prozent handelt es sich bei ihren Blogs um themen- bzw. anlassbezogene Weblogs. Zumeist mit dem Thema Nachhaltigkeit, die Zukunft der Medien, oder Web 2.0 im Allgemeinen. Eine Sparte der Blogosphäre geht mir in Österreich viel zu sehr unter. Die sogenannten persönlichen Blogs.
Was hat man denn nun von solchen Blogs zu halten? Sind persönliche Blogs nur für die Freunde im nähesten Umfeld interessant? Wo bestehen die Gefahren eines solchen Blogs? Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass mein persönlicher Blog nur für jene Freunde interessant ist, welche selbst, teils durch mich, zu bloggen begonnen haben. Die Tatsache, dass manch andere Freunde des engsten Freundeskreis noch nie einen Eintrag auf meinem Blog gelesen haben, ist zwar zu einem Teil enttäuschend, zeigt aber andererseits auch die Abwehrhaltung gegenüber Weblogs an sich. Die Gefahr, in die man sich begibt (und diese Gefahr sehe ich nur bei persönlichen Blogs) ist, dass man zu viel von sich preisgibt. Ich denke, jeder Blogger hat zu Beginn seiner “Karriere” irgendwann einmal den Punkt erreicht, an welchem die meisten Einträge in den Entwurfsordner landen. Und man nicht weiß, ob man manche Dingen schreiben soll. Manche Dinge sind zu persönlich, andere Dinge vielleicht zu unwichtig. Irgendwann aber, sofern man bereit ist, sich weiter auf das Medium einzulassen, überschreitet man diese Schwelle und weiß nun ganz genau, wie weit man selbst bereit ist, von sich selbst preiszugeben. Die Frage nach der Privatssphäre und dem ominösen Big Brother lasse ich hingegen kaum gelten: Wer auf 123people.com nach sich selbst sucht, erkennt, dass man schon in zu vielen Communities angemeldet ist, um eine Anonymität auch nur zu versuchen. Natürlich gibt es Dinge, die viel zu persönlich sind, aber da sollte man schließlich einfach auf die eigene Ethikkommission zählen.
Die meisten Blogger in der Neon|Wilderness’schen Blogroll kommen aus Deutschland. Dort hat sich – meiner Meinung nach – das Medium Weblog zu privaten Zwecken zu einem großen Teil durchgesetzt. Jene österreichischen Blogger (aus meiner Blogroll), die über persönliche Themen bloggen, stammen entweder aus meiner näheren Umgebung, oder aus der Umgebung von Wien. Wo sind all die Blogger aus Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Burgenland und Niederösterreich? Ich bin mir sicher, es gibt sie. Aber leider fehlt, die vor kurzem angesprochene, Vernetzung.
Ich habe mich mit Luca schon einmal über das Projekt Blögger unterhalten (zur Eröffnung der Wandinstallation WienWeb2.0). Und eben dieses Problem angesprochen. Mir schwebt eine Landkarte vor, auf der alle (und ich meine wirklich alle) österreichischen Blogger verzeichnet sind. Mit dem Standort der “Schreibzentrale” (zumindest ungefähr). Und durch Filtermethoden kann man dann zwischen Web2.0-Blogs, Politik-Blogs, Kunst-Blogs und persönlichen Blogs filtern. Dadurch wäre es – so bin ich überzeugt – auch erst möglich, das tolle Konzept der “Blogtails” auf Gesamtösterreich auszuweiten. Erst wenn Blogger sich untereinander vernetzen, können so eine Unmenge neuer Blogger hinzukommen. Z.B. durch “Anwerben”, durchs Mitnehmen zu verschiedenen Veranstaltungen.
Meiner Meinung nach sind Web 2.0-Blogs und Politik-Blogs in Österreich zwei ebenso überschaubare Teile unserer Blogosphäre. Es scheint beinahe so, als kenne jeder jeden, oder als habe zumindest jeder bei jedem schon einmal kommentiert. Um diese Medien zu stärken, ist eine stärkere Einbeziehung der Medien von Nöten. Web 2.0 ist für die meisten Leute kein Begriff, für manchen nur ein großer Sammelbegriff, unter denen sie sich nichts vorstellen können und nur einige Wenige können damit etwas anfangen. Hier muss aufgeklärt werden. Was sind Weblogs? Wie kann man sie nutzen? Was unterscheidet sie von statischen Websites? Welche Möglichkeiten habe ich, im Internet aktiv zu sein. Sind Social Communities schon alles? Wo liegen die Gefahren? Leider ist es viel zu oft so, dass sich die Medienberichterstattung viel zu oft auf die Gefahren beschränken. Bevor der Sinn hinter Facebook erklärt wird, spricht man viel eher davon, dass Identitätsraub dadurch ganz einfach möglich wäre.
Würden sich Medien mit so etwas auseinandersetzen (und ich spreche hier von Tageszeitungen, von Radios (und nicht nur Ö1, welches ja leider eine etwas beschränkte Zuhörerzahl hat), vom TV, der hier eine ganz wichtige Vermittlerrolle einnehmen könnte), so könnten Weblogs als umfangreiche, subjektive Alternativmedien angesehen werden. Mit welchen man ganz einfach Zugriff zu den verschiedensten Themen bekommt.
Das ist mein Wunsch an die Blogosphäre in Österreich. Und die Medien. Blogger, vereinigt euch.
Und das Wichtigste: Blogger sollen sich ernst nehmen. Ich glaube nicht, dass man nur für sich bloggt. Selbst persönliche Blogs leben vom Content von außen, von den Kommentaren. Und je weiter man sich öffnet, je offener man schreibt (weg mit all den umgangssprachligen Ausdrücken, zumindest wenn sie nicht erklärt werden), desto einfacher ist es, Leser zu bekommen. Leser sind wichtig, mit den Lesern, und mit den Kommentaren wächst der Blog (und der Schreiberling, der für all das verantwortlich ist).









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