
Gestern früh verstarb der Wiener Altbürgermeister Helmut Zilk im Alter von 81 Jahren an einem Herzversagen. Hier möchte ich nun einen Überblick über sein Leben, sein politisches Schaffen und einen kleinen Nachruf anfügen.
Helmut Zilk uwde am 9. Juni 1927 im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten geboren. Sein Vater, ein Zeitungsangestellter und Antifaschist, verbot seinem Sohn, bei den Werbern der Nationalsozialisten zu unterschreiben. Dies tat Helmut Zilk auch als einziger der Klasse nicht.
Nach dem zweiten Weltkrieg arbeitete er als “Schulhelfer” im 2. Bezirk und für kurze Zeit war er bei der KPÖ. 1951 promovierte er und ’55 legte er die Lehramtsprüfung für Pädagogik. Seit dieser Zeit arbeitete er – anfangs nebenbei, später hauptberuflich – für den ORF: In den frühen ’60er Jahren gestaltete er z.B. die Fernsehsendung “Was könnte ich werden”? mit, die Schüler über verschiedene Berufsbilder aufklärte. Im Jahre 1967 wurde er von Generalintendant Gerd Bacher zum Fernsehdirektor ernannt. In dieser Funktion begründete er das Schulfernsehen, die endungen “In eigener Sache”, “Stadtgespräche” und “Auslandsecho” sowe das 2. Fernsehprogramm.
1974 unter der Regierung Kreiskys, und dem dadurch stärkeren Einfluss der SPÖ im ORF, wurde der Intendant ausgetauscht. Zilk wechselte zur Kronen Zeitung und arbeitete bis 1970 als Ombudsmann, in denen er Kritik und Beschwerden der Leser an die Verantwortlichen weiterleitete und den Sachverhalt pointiert kommentierte. 1978 war Zilk Kreiskys Wunschkandidat für den Posten des Generalintendanten, gewählt wurde aber noch einmal Gerd Bacher.
1979 begann Helmut Zilks Politikerkarriere. Der SPÖ-Bürgermeister Leopold Gratz holte ihn als Stadtrat für Kultur und Bürgerdienst ins Wiener Rathaus. Aufgrund siener langjährigen Tätigkeit in den Medien hatte Zilk als Politiker von Anfang an mehr Medienaufmerksamkeit als die meisten anderen Mandatsträger.
Als die SPÖ 1983 bei der Nationalratswahl die absolute Mehrheit verlor und mit der FPÖ koalierte, folgte Helmut Zilk Fred Sinowatz, welcher Bundeskanzler wurde, als Bundesminister für Unterricht und Kunst nach. Interessant ist, dass er in dieser Funktion an Gymnasien das Fach Informatik als Pflichtgegenstand einführte. Somit war Österreich eines der ersten Läder Europas. Zilk berief auch Claus Peymann als neuen Burgtheaterdirektor, welcher 1986 sein Amt antrat.
Nach zehnjähriger Amtszeit von Gratz wurde Helmut Zilk 1984 zum Bürgermeister der Stadt Wien, und damit auch zum Landeshauptmanns des Bundeslandes Wien gewählt.
„Der Dr. Zilk“ war nun in Wien allgegenwärtig – mit gewichtiger Stimme und spektakulären Entscheidungen. Von der Verbannung der Autos vom Rathausplatz über den Einbau von teuren Filtern in Wiens Müllverbrennungsanlagen, den Bau des Schulschiffes, das Film Festival auf dem Wiener Rathausplatz, den „Adventzauber“ und den „Silvesterpfad“ bis zur Volksbefragung über die für 1995 geplante gemeinsame Weltausstellung Wien/Budapest, die vom Volk abgelehnt wurde. 1988 entschied Zilk nach längeren Diskussionen persönlich den Aufstellungsort des 1983 von der Stadt beiAlfred Hrdlicka in Auftrag gegebenen Mahnmals gegen Krieg und Faschismus, das noch im selben Jahr (vorerst provisorisch, feierliche Fertigstellung 1991) auf demAlbertinaplatz errichtet wurde.
Zilk kümmerte sich aber auch um so genannte „Kleinigkeiten“, die Bürger verärgerten. Selbst in der Altstadt wohnhaft, streifte er oft zu Fuß durch die Innere Stadt, neben sich einen Assistenten, der die Aufträge des Bürgermeisters sofort notierte. Dienststellen, die mit seinem Arbeitstempo nicht mitkamen, mussten damit rechnen, mit seiner Billigung in Medien kritisiert zu werden. Infolge dessen schrieb man Zilk große Durchschlagskraft zu. [Wikipedia]
Außergewöhnlich war Zilks möglichst weitreichende Fernhaltung von “reiner Parteipolitik”. Das Amt des Wiener SPÖ-Vorsitzenden überließ er dem Vizebürgermeister Hans Mayr. Und auch rethorisch war er anders, als die gewohnten SPÖ-Politiker: Telegen, gebildet, bei Bedarf goschert, laut und polemisch, aber im Ernstfall auch von großer Sensibilität.
Am 5. Dezember 1993 wurde Zilk Opfer einer Briefbombe. Der Terrorist Franz Fuchs schickte eine Briefbombe an den Wiener Bürgermeister um das von ihm geschaffene multikulturelle, weltoffene Wien zu kritisieren und zu bekämpfen. Helmut Zilk wurde an der linken Hand schwer verletzt. Anschließend beendete er vorzeitig seine politische Karriere und übergab das Amt des Bürgermeisters dem noch amtierenden Michael Häupl. Nur noch einmal, 2003 während der Regierung Schüssel II, wurde er zum Leiter einer Reformkomission zu Fragen der zukünftigen Organisatoin des Bundesheeres bestellt.
Helmut Zilk war drei Mal verheiratet, 1978 heiratete er die Sängerin Dagmar Koller. Aus seiner zweiten Ehe hatte er einen Sohn. Seit 1995 hatte er seine eigene Sendung im ORF. In “Lebenskünstler” interviewte er vier bis fünf Mal im Jahr verschiedene Persönlichkeiten.
Nachruf
Mit Helmut Zilk starb ein großer Politiker. Und das sage ich vielleicht vor allem deshalb, da er von strikter Parteipolitik immer genügend Abstand nahm. Das machte ich zu einem volksnahen Politiker, der sich wirklich um die Sorgen der Leute und die Zukunft der Stadt Wien annahm. Ich kann sein politisches Wirken nicht richtig bewerten, zu jung bin ich hierfür leider noch. Aber er kommt mir teilweise als vorausschauender Politiker, aber auch als ein solcher vor, der sich eben dann mal kein Blatt vor den Mund nimmt. Seine Kritik am Höhepunkt der Gusenbauerdemontage fand ich überhaupt nicht angebracht. Aber Wiener Bürgermeister haben sich schon immer für zu wichtig genommen.
Mit Helmut Zilk ist innerhalb von zwei Wochen ein zweiter großer Politiker verstorben. Diesmal ein Altlandeshauptmann. Und ich wette einmal darauf, dass definitiv nicht ein solch großes Tamtam gemacht wird.
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