Posts Tagged 'Journalismus'

Gibt es Ethik im Web 2.0?

Das “Mitmach-Internet” ist nun schon seit mehreren Jahren in aller Munde. Ob nun Blogs, Wikipedia, Facebook oder der neue Superhype Twitter … die Userzahl steigt ins Unvorstellbare. Und damit auch die Gefahr, dass man in der Welt des unentgeltlichen und globalen Selbstpublizierens möglicherweise auf ein ganz kleines Detail vergisst: Ist es nicht manchmal auch wichtig, Schweigen zu können?

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Der Fall Denisa S.

Die aktuelle Ausgabe des Falters (20/09) brachte mich auf einen Fall, der mich wieder einmal hochschrecken ließ. Am 29. Jänner 2008 wurde eine Frauenleiche in der Ager gefunden, etwas außerhalb von Vöcklabruck. Die Polizei legte den Fall mit der Begründung “Selbstmord aus Liebeskummer” ad acta, selbst eine Obduktion fand nicht statt. Eine Stadt und ein Land hüllen sich in Schweigen. Was ist hier nur los?

 
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Faire Löhne, Einkommensbelastung und Millionengewinne

Via Max erfuhr ich von dieser sehr … ähm, interessanten Startseite auf orf.at. 

ORF.at 

[Wer das gesamte Bild sehen möchte, kann sich ja gerne bei mir melden.]

Und da wahrscheinlich drei verschiedene Leute diese drei verschiedenen, aber im Grundthema doch so gleichen Artikel geschrieben haben, fehlt auch jegliche Verknüpfung untereinander.

Die WAZ, die Krone und der Mediamil-Komplex

„Im übrigen bin ich der Meinung, der Mediamil-Komplex muss zerschlagen werden“ – Jede Woche endet Armin Thurnher seinen Leitartikel im Falter mit diesem Ceterum Censeo (übrigens macht er das schon seit 1994). Durch den Ausstieg der WAZ aus dem Krone-Imperium könnte dieser Wunsch möglicherweise in Erfüllung gehen. Weiterlesen ‘Die WAZ, die Krone und der Mediamil-Komplex’

Der Fall F. und die Medien

Morgen startet das Verfahren gegen Josef F. am Landesgericht St. Pölten. Ich möchte nicht zu viele Worte über den Fall verlieren. Aber für mich wird dieses Gerichtsverfahren vor allem wegen einem Punkt spannend. Die Reaktion der Medien. Dass ausländische Medien nicht viel von Ethik halten (The Sun zeigte es uns schon mal zur Genüge vor) wissen wir ja. Aber ist dieses Verfahren nicht ein gefundenes Fressen für den überbordenden Gratiszeitungsmarkt? Verliert sich der österreichische Boulevard in verachtungswürdigen Berichten? Und wie berichten die österreichischen “Qualitätszeitungen”, wie Der Standard oder Die Presse?

Für (österreichische) Journalisten ist dieser Fall wirklich gefährlich. Und für Medienbeobachter wie mich nicht minder spannend.

Vom Blogger zum Publizisten

Einige wenige wissen es vielleicht: Ich möchte irgendwann einmal, in naher Zukunft aber, als Journalist arbeiten. Und schon seit einiger Zeit werden mehr und mehr die Medien 1.0 auf das Web 2.0 aufmerksam. Am 1. August 2007 druckte die österreichische Tageszeitung “Die Presse” zum ersten Mal einen Text von mir ab. Die Kategorie “Fangnetz“, welche Einträge der “besten internationalen Blogs” abdruckte [wobei ich meinen damaligen Meinungsblog beileibe nicht dazuzähle], wurde leider scheinbar mangels fehlender Interesse eingestellt. Die “Salzburger Nachrichten” geben Jugendlichen und jungen Erwachsenen (bis zum Alter von 25 Jahren) die Möglichkeit in ihrer Kategorie “MeinJung” Beiträge zu Wochenthemen zu veröffentlichen, 3 an der Zahl finden dann ihren Weg in die Montagsausgabe. Ich wurde bisher, seit dem 16. Juni 2008, acht Mal abgedruckt, das Honorar von 20 Euro sehe ich als weiteren Ansporn. Was mir aber immer wieder sauer aufstößt ist die Beschränkung auf 900 Zeichen. Es ist schwer, innerhalb dieser geringen Zeichenanzahl auf den Punkt zu kommen. Die Einleitung hüpft zum Hauptteil und schnell noch das Fazit. Wirklich “schöne” Texte sind somit unmöglich.

Und nachdem in Amerika das Projekt “The Printed Blog” einige kleine Wellen schlägt, hat es sich nun eine deutsche Zeitung zur Aufgabe gemacht, bei ihrem Relaunch das nicht mal mehr neue Medium Blog besser einzubinden. Man bloggt auf ihrer Seite, die Community bewertet und kommentiert, Moderatoren werden darauf aufmerksam und leiten es an die Redaktion weiter. Und so findet ein Blogeintrag auch den Weg in Richtung Printausgabe. der Freitag, eine selbstbetitelte “linke Wochenzeitung” (welche übrigens dubioserweise am Donnerstag erscheint), schafft es so, Blogger zu Publizisten zu beförden, so Herausgeber Jakob Augstein im Falter-Interview. Und noch dazu gibt es Zeilenhonorar.

Auch ich habe mir jetzt einen Blog angelegt und werde von nun an auch dort regelmäßig bloggen. Vielleicht schaffe ich es manchmal in die Printausgabe. Die Texte werden zudem auch hier veröffentlicht und werden sich meist mit den Themen (internationale) Politik und Gesellschaft beschäftigen. Sie werden darüber hinaus umfangreicher werden und ich möchte mich auch viel mehr in die Recherche stürzen.

Links:
derFreitag
mein Blog (muss erst freigeschaltet werden)

Im Gespräch: Wolfgang Moitzi

Wolfgang Moitzi

POLILOG: Guten Tag, Wolfgang! Zuallererst möchte ich mich herzlich bei dir bedanken, dass du dir die Zeit nimmst um dieses E-Mail-Interview durchzuführen. Aber beginnen wir sogleich mit meinen Fragen: Die Nationalratswahl ist geschlagen, die Koalitionsverhandlungen beendet. Österreich soll die nächsten fünf Jahre von einer Großen Koalition regiert werden. In der Juli-Ausgabe der SJ-Zeitung “Trotzdem” riefst du die Leser dazu auf, “Trotz alledem … SPÖ” zu wählen. In einem offenen Brief an die SPÖ hat die SJ schon zum Regierungsprogramm Stellung genommen. Bist du nun mit dem ausverhandelten Programm zufrieden? 

Wolfgang Moitzi: Nein, von Zufriedenheit kann keine Rede sein. In den 267 Seiten findet man wenig Konkretes und auf die wesentlichen Herausforderungen finden sich keine ausreichenden Antworten. Die zentrale Frage der nächsten Jahre ist meiner Ansicht nach die Umverteilung des gesellschaftlichen Wohlstandes. Es kann nicht sein, dass in Österreich der überwiegende Teil der Steuereinnahmen von ArbeitnehmerInnen geleistet wird. Vermögen werden so gut wie gar nicht besteuert. Leider findet sich im Regierungsprogramm keine umfassende Steuerreform, die die ArbeitnehmerInnen entlastet und Vermögen stärker für den Ausbau des Sozialstaates heranzieht. Das halte ich für einen großen Fehler. 

Auch im Bildungsbereich sehe ich keine Fortschritte. Auf den Universitäten sind weitere Zugangsbeschränkungen geplant, was von meiner Seite klar abgelehnt wird. Auch ist es in einer Koalition mit der ÖVP nicht möglich, die gemeinsame Schule flächendeckend einzuführen. Für die Zukunft halte ich das aber für unausweichlich. 

Für besonders ablehnungswürdig halte ich die geplanten Verschärfungen im Asyl- und Fremdenwesen. Die Rhetorik, die hier verwendet wird, ist einem Regierungsprogramm nicht würdig, der generell negative Zugang zu Integration und Zuwanderung ist erschreckend. Die Pläne von Innenministerin Fekter, künftig das humanitäre Bleiberecht von der Bereitschaft von BürgerInnen, eine Bürgschaft zu übernehmen, abhängig zu machen, halte ich für zynisch und menschenrechtswidrig. Es braucht endlich ein Asylrecht, das auf menschenrechtskonformen und menschlichen Beinen steht.

POLILOG: Die Jugendlichen sollen ja bei der Wahl am 28. September beinahe zur Hälfte den rechten Parteien ihre Stimme gegeben haben. Woran, glaubst du, liegt das? 

Wolfgang Moitzi: In der medialen Öffentlichkeit gab es zwei Erklärungsansätze für das Wahlverhalten der Jugendlichen: die einen, die die Jugend am rechten Rand verorten und die anderen, die von einer Protestwahl gegen den Stillstand und den Streit der Großen Koalition sprechen. Beide Ansätze haben zwar Recht, denn es ist tatsächlich so, dass immer mehr Jugendliche offenbar kein Problem damit haben, Parteien zu wählen, die einen offenen rassistischen Wahlkampf führen und es trifft auch zu, dass die Große Koalition an allen wichtigen Herausforderungen in den letzten beiden Jahren gescheitert ist. Doch greifen beide Analysen zu kurz: worum es im Kern geht, ist die Frage, inwieweit Politik für Jugendliche greifbar ist und inwieweit sich Politik mit den realen Lebenswelten der Jugendlichen auseinandersetzt. Denn wenn man sich Jugendstudien näher ansieht, gibt es eine Diskrepanz zwischen dem politischen Interesse der Jugendlichen bzw. ihrer im gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt liegenden Wahlbeteiligung und der Bereitschaft, sich zu engagieren und aktiv am politischen System teilzuhaben. Das heißt, es gibt offensichtlich eine Barriere, die Jugendliche davon abhält, Politik und Demokratie mitzugestalten. Und diese Barriere müssen wir abbauen, um zu verhindern, dass junge Menschen auch bei der nächsten Wahl rechtsextreme Parteien wählen.

POLILOG: Wie zufrieden bist du mit der Jugendsprecherin und künftigen Bundesgeschäftsführerin der SPÖ, Laura Rudas? Was hat sie in diesem Wahlkampf falsch gemacht, bzw. wie hätte sie es besser machen können?

Wolfgang Moitzi: Die Zusammenarbeit mit Laura Rudas war in der Vergangenheit immer konstruktiv, auch wenn wir verschiedene Ansichten zu politischen Themen und Herangehensweisen haben. Ich erwarte mir das auch in Zukunft so. Was den Wahlkampf betrifft, so war unser Kritikpunkt schon, dass im Jugendwahlkampf wenig Inhaltliches transportiert wurde. Aber im Großen und Ganzen war der Wahlkampf schon okay, immerhin ist es der SPÖ gelungen, von Umfragewerten um 23% im Juli 2008 auf Platz 1 bei den Wahlen im September zu gelangen und das ist schon beachtlich.

POLILOG: Was hältst du vom Online-Angebot der SPÖ, “neuepolitik.at“? Orientiert sich die SPÖ mit ihren Partypics und Angeboten für das Nachtleben in Wien nicht zu sehr am Wählerfang der FPÖ bzw. des BZÖ?

Wolfgang Moitzi: Weder FPÖ noch BZÖ haben Partypics-Homepages erfunden. Dass politische Parteien versuchen, ihre Webangebote nach den Interessen von Jugendlichen zu gestalten, ist ja nachvollziehbar. Die Umsetzung ist natürlich eine andere Sache und da hätte ich mir schon mehr Interaktives gewünscht und eine stärkere Orientierung an den Lebenswelten der Jugendlichen selbst. Jugendliche wissen sehr gut, ob Webangebote nur eine peinliche Anbiederung darstellen oder ernst gemeint sind. Da halte ich aber den Auftritt der SPÖ als wesentlich gelungener als den von BZÖ oder FPÖ.

POLILOG: Das Schlagwort des Jahres, die Finanzkrise greift immer noch um sich. In verschiedenen Interviews (z.B. auf chilli.cc) sprichst du davon, dass der Marxismus gerade in Zeiten wie diesen eine Renaissance erlebt. Gibt es aber nicht genug Beispiele, dass der klassische Marxismus einfach nicht funktionieren kann? Welche wegweisenden Vorschläge kannst du nennen, um eine Alternative zum Kapitalismus und der Globalisierung zu finden?

Wolfgang Moitzi: Da muss man zu aller erst einige Dinge unterscheiden. Den klassischen Marxismus als solchen, der von heute auf morgen umgesetzt werden kann, gibt es nicht. Es gibt verschiedene Gesellschaftsanalysen, die auf den Analysen von Karl Marx beruhen und die einen hohen Erklärungswert für wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge haben. Und in dieser Tradition sehen wir uns als SJ. Um den Kapitalismus zu überwinden, was ja auch erklärtes Ziel der SJ ist, braucht es eine umfassende Analyse von gesellschaftlichen (Produktions-)Verhältnissen und diese bietet der Marxismus. Wenn du auf das Scheitern der so genannten „realsozialistischen“ Staaten im ehemaligen Ostblock ansprichst, dann kann ich dem nur entgegnen: das ist nicht der Sozialismus, den wir meinen.

Für mich ist klar, dass der Kapitalismus ein ausbeuterisches, unmenschliches System ist, das auf Ungleichheit und Profitstreben aufbaut. Eine Alternative dazu kann es durchaus geben: eine gerechte, solidarische Welt, die frei von Ausbeutung und Unterdrückung ist. Eine Alternative zur Globalisierung will ich gar nicht, wenn sie von allen gleichberechtigt mitgestaltet werden kann und zu keiner Schieflage zwischen sozialen Kräften führt. Globalisierung ist ja etwas Schönes – wenn die Welt zusammenrückt. Nur müssen alle dieselben Chancen und Möglichkeiten haben, daran teilzuhaben.

POLILOG: Auf der Demonstration “Aufstand der Anständigen” anlässlich der geplanten Abschiebung von Arigona Zogaj und ihrer Mutter (am 6. Oktober 2007) sprach unter anderem Nationalratspräsidentin Barbara Prammer davon, dass dies in einem Staat wie Österreich nicht möglich sein dürfe. Das Regierunsprogramm der neuen Großen Koalition sieht aber in keinster Weise eine Aufweichung des geltenden, unter einer schwarz-blauen Regierung festgelegten, Asylgesetzes. Und auch auf der SJ-Homepage ist der letzte Text zum Thema Migration mit dem Dezember 2005/Jänner 2006 datiert. Verlieren hier die sozialistischen/sozialdemokratischen Politiker möglicherweise ein wichtiges Thema aus den Augen? 

Wolfgang Moitzi: Ich muss dir Recht geben, wenn du sagst, dass es der SPÖ in den letzten Jahren nicht gelungen ist, dem Thema Migration und Integration den Stellenwert zu geben, den es braucht. Migration ist eine Bereicherung für jede Gesellschaft und Asyl ist ein Menschenrecht. Das sind zwei Grundsätze, die wir uns als Grundlage für Asyl- und Integrationspolitik erwarten. Im Regierungsprogramm wird dem gar nicht Rechnung getragen, sondern es sind weitere Verschärfungen geplant. Da werden wir als SJ auch dagegen auftreten, wenn es soweit ist. So wie wir in den Monaten rund um die geplante Abschiebung von Arigona Zogaj eine eigene Initiative „Asyl ist Menschenrecht“ gestartet haben. Es kann von unserer Seite aus also keine Rede davon sein, dass wir das Thema aus den Augen verlieren.

POLILOG: Die Sozialistische Jugend forderte im Februar 2008 eine Volksabstimmung über den EU-Vertrag. Die SPÖ rückte mit ihrem berühmt-berüchtigten Brief an die Krone näher an den Wunsch der SJ, aber womöglich wird sie sich in den nächsten fünf Jahren aufgrund einer Klausel im Regierungsprogramm in einer Zwickmühle befinden. In welche Richtung sollte sich die EU entwickeln, wie soll der EU-Reformvertrag abgeändert werden, damit die SJ einer Ratifizierung der Staats- und Regierungschefs zustimmt? 

Wolfgang Moitzi: Erstens muss es ein klares Bekenntnis der EU zu einem Friedens- und Sozialprojekt geben und das sehe ich im EU-Vertrag nicht. Im Gegenteil: es ist von einer Beistandspflicht und einer gemeinsamen Verteidigungspolitik die Rede, die sich eher daran orientiert, eine dritte militärische Supermacht zu werden. Das lehnen wir strikt ab. Damit wir einem EU-Reformvertrag zustimmen, müssten die Verträge seit Bestehen der Europäischen Union grundlegend verändert werden. Denn so wie sich die EU derzeit darstellt, ist sie eine Wirtschaftsunion, die den freien Markt als Grundbaustein für ihr Wirken festlegt. Eine Initiative in Richtung einer politischen, sozialen Organisation der europäischen Staaten sehe ich derzeit nicht, also ist es auch unrealistisch, dass wir einem EU-Reformvertrag zustimmen werden. 

POLILOG: Eine Frage zur SJ itself: Wie wird sich die Sozialistische Jugend in Österreich verändern? Ist auch in dieser Organisation womöglich eine Reformierung nötig, da sich die Politik in letzter Zeit eindeutig geändert hat?

Wolfgang Moitzi: Die Sozialistische Jugend verändert sich eigentlich permanent mit den vielen jungen Leuten, die dazu kommen bzw. die SJ wieder verlassen, wenn sie älter werden. Unsere Arbeit in der SJ fußt inhaltlich auf dem 2004 beschlossenen Grundsatzprogramm. Beim letzten Verbandstag haben wir auch ein Organisationspapier beschlossen, mit dem wir einen breiten Diskussionsprozess in allen Bundesländern starten, wie wir uns als SJ weiterentwickeln wollen. Das wird sicher ein spannender Prozess, dem ich hier natürlich nicht vorgreifen will.

POLILOG: Seit Obama von “Change” und “Hope” zu sprechen begann, wollen plötzlich alle westlichen Länder auf der Obama-Welle mitschwimmen. Würdest du in Österreich eine Chance für einen Menschen wie Obama sehen? Wenn ja, wer könnte dies sein? Und welche Visionen für Österreich hast du persönlich?

Wolfgang Moitzi: Dass Obama eine derartige Welle an Begeisterung auslösen konnte, liegt nicht nur an Obama selbst. Es liegt vielmehr daran, dass die Leute die Schnauze voll hatten von der konservativen, aggressiven Politik der Bush-Administration. Ihm gelang es, eine gewisse Aufbruchsstimmung zu kanalisieren und jenen Bevölkerungsgruppen Hoffnung zu geben, die in den letzten Jahren belastet, nicht ernst genommen oder unterdrückt wurden. Dass es diese Begeisterung gibt, ist ein Ergebnis spezifischer gesellschaftlicher Verhältnisse, die man nicht 1:1 auf Österreich umlegen kann. Deswegen stellt sich für mich diese Frage nicht unbedingt.

Ich hoffe, dass es in Österreich ein Umdenken, was Sozial- und Integrationspolitik betrifft, gibt. Ich würde mir erwarten, dass es ein klares Bekenntnis zu Integration und einer multikulturellen Gesellschaft ohne soziale Gegensätze gibt. Dazu brauchen wir eine umfassende Veränderung der derzeitigen konservativen sozial- und wirtschaftspolitischen Gegebenheiten.

POLILOG: Und zum Abschluss noch eine sehr persönliche Frage: Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Wolfgang Moitzi: Das kann ich beim besten Willen nicht sagen. Ich werde sicher auch in zehn Jahren ein politisch denkender und womöglich auch aktiver Mensch sein, wo und was genau, sehen wir in 10 Jahren :-)

POLILOG: Vielen Dank für dieses interessante und ausgiebige Interview! Ich wünsche dir noch viel Glück mit deinem Studium und deiner Arbeit als SJ-Vorsitzender! 

Bildquelle: Wolfgang Moitzi selbst

e-Inclusion-Konferenz. Ein erster Eindruck.

Da war ich also nun. Am Eingang zum großen Kongresszentrum der Messe Wien. Anfängliche Schwierigkeiten, wie die Registrierung zum Beispiel, wurden schnell behoben, und schon bald machte ich mich mit einem Presseausweis für diese Veranstaltung auf den Weg. Zugegeben, ich war eigentlich zuallererst heillos überfordert. So viele Säle mit Vorträgen, so viele Menschen. Und neben Luca Hammer fehlte mir heute auch noch Eric Eggert, den ich vielleicht aber auch nur übersehen habe.

Zwei Vorträge führte ich mir zu Gemüte und hab’ es genossen, mit all diesen wahrscheinlich sehr wichtigen Menschen in diesem Saal zu sitzen, und eindeutig wichtigen Menschen bei ihren Vorträgen lauschen zu können. Und das alles im Auftrag des Journalismus. Dass ich nicht länger blieb, lag vor allem daran, dass ich nichts gefrühstückt und auch nichts zu Mittag gegessen hatte. Erst als ich wieder zuhause angekommen war, bemerkte ich, dass nur wenige Minuten nach meiner Abreise vom Messezentrum das Buffet eröffnete. Aber egal.

Die Ausstellung mit unzähligen Firmen und Organisationen überforderte mich hingegen vollkommen. Ich wusste nicht was ich sehen wollte, setzte ich mich doch heute zum ersten Mal mit dem Thema Accessabilty auseinander. Vielleicht läuft es dann morgen schon besser.

Morgen werde ich wieder dabei sein, aber aufgrund universitärer Verpflichtungen (eine Pflichtvorlesung) werde ich wohl nur einem Vortrag und der Abschlussveranstaltung lauschen können. Aber alles in allem eine höchst interessante Veranstaltung. Ich danke hiermit Bernhard Jungwirth und Luca Hammer von ganzem Herzen, dass ihr mir das ermöglicht habt.

Visions of an Inclusive Information Society

Nun hier mein Bericht der zweiten Session im großen Plenarsaal. Das Thema könnte ja theoretisch so einiges umfassen, und als Redner fanden sich Abdul Waheed Khan, Assistant Director-General for Communication and Information der UNESCO, Veli Sundbäck, Executive Vice President der Nokia Corporation, Rob Sinclair, der Director of Accessibility bei Microsoft Corporation und Adama Samassékou, President der African Academy of Languages aus Mali.

Hear from leading opinion makers and thought leaders on what the future holds for us if we achieve an inclusive information society – what will be the real benefits? And what financial and personal prices will we have to pay?

Richtig eingestiegen bin ich erst beim Vortrag von Veli Sundbäck von Nokia. Über 7 Milliarden Mobiltelefone wird es mit Ende des Jahres geben. Nokia arbeitet schon seit einiger Zeit mit verschiedenen Organisationen zusammen, um den Zugang für noch mehr Menschen, vor allem für Menschen mit Beeinträchtigungen, zu ermöglichen. Er erklärt auch, dass die SMS für Taube etwas unglaublich Wichtiges geworden ist. Seine Feststellung, dass, je komplexer die Mobiltelefone werden, desto zugänglich werden sie auch, kann ich zurzeit nicht wirklich allumfassend bestätigen. 

Ein erster Schritt werden neue, intuitive und vereinfachte Interfaces sein. Besonders herausgehoben hat Herr Sundbäck die Tatsache, dass die Entwicklungen für höhere Zugänglichkeit (Accessabilty) nicht nur für beeinträchtige Menschen unglaubliche Vorteile bietet, sondern dass jeder davon profitieren wird, und dass dadurch all das zur Norm wird.

Beendet hat er seinen Vortrag mit dem Leitspruch von Nokia.

“what connecting people is all about”

Rob Sinclar, der Director für Accessability bei Microsoft, will durch die verbesserte Zugänglichkeit eine vernetztere globale Gesellschaft erleben. Die Technologie wird nicht geringer werden, oder weniger wachsen. Das Mobiltelefon war z.B. eine Technologie, die so rapide Einzug gehalten hat, und nun unser Leben verändert hat. Jeder ist immer connected und online. Über 600 Millionen Menschen sind auf irgendeine Art beeinträchtigt. Dass es sich bei Entwicklungen für hohere Accessabilty um Nischenprodukte handelt, ist Microsoft bewusst, aber Accessabilty bedeutet einfach access for everyone. Und genau das möchte scheinbar auch Microsoft.

Den letzten Vortrag, den ich mir zum Teil noch angehört habe, war jener von Adama Samassékou, dem Präsidenten der Afrikanischen Akademie der Sprachen.

Er spricht davon, dass es weltweit noch 7.000 Sprachen gibt, aber nur 350 Sprachen im Internet ihren Weg zur digitalen Sprache geschafft haben. In Afrika beobachtet er, das es für viele einfach schwer ist, mit der Landessprache im Internet Fuß zu fassen. Aber das Web 2.0 bedeutet einfach, dass jeder die Möglichkeit hat, etwas zu schaffen. Wenn es die richige Infrastruktur für den Zugang zum Internet gibt, dann wird es wohl bald auch viel mehr Sprachen im Internet geben.

Ageing Well: Investing in ICT for Sustainable Elderly Care

Leider bin ich etwas später angekommen, als ich mir vorgenommen hatte. Die erste Vortragsreihe habe ich versäumt, aber nun habe ich mich im wahrscheinlich größten Raum des Messe-Kongresscenters niedergelassen, um einem Vortrag über Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT, wenn ich mich nicht täusche). 

Zurzeit spricht David Kelly, Managing Director in Schottland und Irland über die Verbindung von Technologie und dem Gesundheitsbereich.

Er nennt verschiedene Beispiele, wie neue Technologien den Menschen das Leben erleichtern. Eine siebzigjährige Frau mit beginnender Demenz: Durch den Einbau eines Sensors, welcher Bettbewegungen wahrnimmt, werden, sollte die Frau irgendwann nachts aufstehen und nicht innerhalb von 5, 10 oder 15 Minuten zurück sein, ihre Angehörigen telefonisch informiert. Somit kann möglicherweise verhindert werden, dass die Frau unglücklich fällt und vielleicht erst am nächsten Morgen gefunden wird.

In Zukunft sollen auch in Wohnungen von älteren Menschen Screens so wichtige Dinge wie den Blutdruck, Gewicht und so weiter messen und wahrnehmen. Sollte es z.B. einen zu hohen bzw. zu niedrigen Blutdruck anzeigen, wird in wenigen Stunden noch einmal gemessen. Sollte er einen gewissen Wert überschritten haben, wird sogleich auch ein Arzt informiert. 

Leider habe ich den Beginn des Vortrages nicht gesehen. Alles in allem stehen wir mit der derzeitigen Verbindung zwischen Technologie und Altenbetreuung am Anfang. Diese neuen Technologien, von welchen ich heute zum ersten Mal hörte, sind für Betreuende, aber auch für Betreute sicherlich eine unglaublich große Erleichterung und Hilfestellung. Die neuen Technologien könnten die Altenbetreuung (und vielleicht auch die Altenfachbetreuung) revolutionieren und den Betreuenden eine große Menge an Arbeit abnehmen.


Aktuelles Gezwitscher

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