
Am Donnerstag schon will der BZÖ-Spitzenkandidat und Landeshauptmann Gerhard Dörfler die Wahlkampagne vorstellen, mit der er in Kärnten die Vormacht seiner Partei verteidigen und möglicherweise sogar ausbauen möchte. Vor vier Monaten hätte alles noch so einfach ausgesehen, nach dem fulminanten Stimmenzuwachs bei der Nationalratswahl durch den Spitzenkandidaten Jörg Haider, welcher aber immer betonte, in Kärnten zu bleiben. Sein Tod hat nicht nur (laut Aussagen einiger Politiker) ganz Kärnten in Trauer versetzt. Nein, der Ausnahmezustand setzt sich auch in den Reihen des BZÖ fort. Seither kämpft man um starke Politiker, welcher auf Landes- und Bundesebene das Erbe Jörg Haiders antreten könnten.
Mit 10,8 Prozent wurde die Partei bei der letzten Nationalratswahl 2008 viertstärkste Partei, und galt neben der FPÖ zu den einzig wahren Wahlsiegern. Doch nach dem Tod Jörg Haiders traut sich niemand mehr so wirklich die Rolle des Parteiobmanns zu. Stefan Petzner, durch seine Auftritte quer durch alle Medien kurz nach dem Tod seines “Lebensmenschen”, disqualifizierte sich vor allem für die mächtige Kärnter Gruppe des BZÖ, und ist so nur einer von fünf Stellvertretern des Klubobmannes. Der eigentlich Klubobmann Josef Bucher, ebenso ein Politiker aus Kärnten – bestätigte kürzlich, dass er nicht für die Rolle des Parteiobmannes zur Verfügung stehe, und verwies als möglichen anderen Kandidaten auf Herbert Scheibner. Aber auch dieser verkündete, am Parteitag im April nicht kandideren zu wollen. So bleibt die Partei auf Bundesebene sogesehen ohne Führung.
In Kärnten, der Hochburg des BZÖ, läuft es ebenso holprig. BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz musste wegen “eines ruchbar gewordenen Doppelbezuges” [OÖN, 7.1.09] das Amt des Landtagspräsidenten niederlegen. Der Klagenfurter Ex-Bürgermeister Mario Canori verließ unlängst das BZÖ um als Spitzenkandidat der – nach der Abspaltung des BZÖs in Kärnten sehr kleinen – FPÖ ins Rennen zu gehen. Landeshauptmann Dörfler warf Canori kürzlich vor, von der FPÖ Geld bekommen zu haben. Dieser konterte sofort, und drohte sogar mit einer Anzeige. Doch auch innerhalb des BZÖ Kärntens kommt Kritik. Denn nicht nur der Vorwurf gegen Canori, sondern auch die Ankündigung, bei der Landtagswahl wieder 40 Prozent zu überspringen, kritisieren hohe BZÖ-Politiker. Darunter eben der Kärntner BZÖ-Chef Uwe Scheuc sowie BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz.
Die größte Gefahr in Kärnten für das BZÖ ist also nicht wie vermutet die FPÖ, die nach dem Tod Jörg Haiders wieder das einzige große rechte Lager in Kärnten schaffen will. Vielmehr muss das BZÖ nun aufpassen, sich nicht selbst zu zerstören. Dass Heinz-Christian Strache hier natürlich genügend Zeit findet, die wunden Punkte des BZÖ zu finden und so eine bessere Ausgangslage für die Landtagswahl im März zu schaffen.
Gespannt bin ich natürlich auch, mit welcher Strategie das BZÖ in den Wahlkampf startet. Ausländerhetze oder doch ein In-Memoriam-Haider-Plakat?
[Der Bildausschnitt stammt aus einem der umstrittenen Plakate des BZÖ Graz. Die Aussage wurde etwas entfremdet. Hier findet man das gesamte Bild, von welchem ich mich hiermit natürlich vollkommen distanziere]
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