
Vor einer Woche blickte man erschrocken nach Kärnten: das BZÖ, ein planloser Verein, schaffte dabei, entgegen allen Behauptungen, mehr als 45 Prozent der Wählerstimmen. In Salzburg gewinnt die FPÖ stark hinzu und lässt die vierte Partei im Landtag, die Grünen, weit hinter sich. Und das Wahlergebnis des vergangenen Septembers, mit welcher der sogenannte Rechtsruck seinen Anfang genommen hatte (bzw. sein Wirkung in den Wahlergebnissen ersichtlich wurde), ist uns wohl allen noch in trauriger Erinnerung. Damals haben viele noch nach dem Motto „Denn sie wissen nicht was sie tun!“ oder mit dem Glauben an Proteststimmen über die Wähler von FPÖ und BZÖ geurteilt. Doch darf man es sich denn wirklich so leicht machen? Nimmt man denn da die Demokratie nicht ernst?
Ich bin definitiv kein Wähler der Rechtsparteien. Aber es ist schon bemerkenswert, wenn man zwar seine eigene politische Einstellung kennt, aber keine Ahnung hat, wem man die Stimme geben könnte. Keine der Parteien links von rechts (also ÖVP, SPÖ, Grüne, LIF, KPÖ …) arbeitet so, wie ich es mir wünschen würde. Man propagiert neue Politik, und trotzdem sieht rein gar nichts nach diesem neuen Weg aus. Die Sozialdemokratien machen so seichte Politik, dass man als Außenstehender wohl kaum erkennen könnte, wie die österreichische Sozialdemokratie zu verschiedenen Themen steht; Hauptsache, man eckt gerade nirgendwo an. Die ÖVP unter Josef Pröll ließ einen Wechsel erhoffen. Doch so wie es zurzeit scheint, setzen sie davon nichts um. Die Grünen verlieren sich in Machtkämpfen in den eigenen Reihen und irgendwie scheint es, als müssten die Grünen erst wieder einen neue Richtung finden um auch in Zukunft bestehen zu können und so vielleicht irgenwann einmal zu einer Regierungspartei reifen kann.
Die Stimmen, die die FPÖ und das BZÖ erhielten, haben sie mitunter vielleicht sogar verdient. Jede einzelne. Diese beiden Parteien, sei nun die eine gemäßigter als die andere oder auch nicht, haben an ihrer Spitze Paradepopulisten. Und bevor ich auf das Thema Populismus noch weiter eingehe, zitiere ich gerne dessen Definition:
Populismus (v. lat.: populus = Volk) bezeichnet eine um „Volksnähe“ bemühte Politik, die Unzufriedenheit, Ängste und aktuelle Konflikte für ihre Zwecke instrumentalisiert, an Instinkte appelliert und einfache Lösungen propagiert, wobei verantwortungsethische Gesichtspunkte und Aspekte der praktischen Realisierbarkeit weitgehend außer Acht gelassen werden. Populistische Bewegungen entstehen in Phasen raschen gesellschaftlichen Wandels und sind häufig an eine charismatische Persönlichkeit gebunden. [Wikipedia]
Der ersten Aufstieg Haiders in den Neunziger war eben von seiner ungewöhnlichen Macht populistische Politik zu machen geprägt. Er zeigte Probleme auf, die die großen Parteien (siegessicher, wie man eben so ist) zu verschweigen pflegten. Vielleicht auch, weil man einfach selbst Dreck am Stecken hat. Und auch heute noch sind es vor allem die beiden Rechtsparteien, die Probleme, die den Normalösterreicher betreffen, ansprechen. Ich persönlich hatte noch nie Probleme mit Menschen mit migrantischen Hintergrund. Aber es gibt diese Angst, manche haben auch schon Negatives erlebt. Man spricht von Ghettobildung und von unwilligen Immigranten in Bezug auf Integration. Und da ja natürlich die „Islamisierung“ das ganz, ganz Große im rechten Spektrum ist, möchte man auch einfach niemandem mehr Asyl gewähren. Stiege doch durch die Ausländer die Kriminalitätsrate so rießig an. (Ich musste lachen, als in einer der letzten Sitzungen im Hohen Haus erklärt wurde, dass die größte Sparte der kriminellen Ausländer die Deutschen sind). Aber hey, es gibt also Probleme. Und genau das spricht keine der drei Parteien an. Und wenn, dann kann man Aussagen einiger Politiker nur schwer von jenen der ausländerfeindlichen Demagogen unterscheiden.
Was liefern also ÖVP, SPÖ, Grüne? Nichts. Und FPÖ und BZÖ? Sie möchten am Liebsten den Rechtstaat außer Kraft setzen und sodann auch gleich ganz viele Asylwerber in ihre Heimatländer zurückschicken. Oder man schickt sie unter dem Vorwand (und das Gegenteil wurde nun schon definitiv bestätigt) auf eine Alm, wie es Gerhard Dörfler in seinem Kärnten tut. Sind das die Lösungen, die wirklich weitreichend wirken? Oder ist es, wie Wikipedia schreibt so, dass dabei „verantwortungsethische Gesichtspunkte und Aspekte der praktischen Realisierbarkeit weitgehend außer Acht gelassen werden“? Und deshalb muss man sich endlich dazu aufraffen, an einer Lösung zu arbeiten. All diese Dinge, die in den letzten Jahren passierte, von verpflichtenden Deutschkursen oder dem aktualisierten Asylrecht (inklusive Asylgerichtshof), wirken so hilflos unausgegoren. Und sind nur für kurze Zeit möglicherweise wirksam. Wie kann man die Integration fördern? Wie kann man die Ghettobildung verhindern? Wo bleiben sie also, diese Lösungen?
Mich stört an der aktuellen Politik der beiden Regierungsparteien, dass man, egal welche Sympathien man für welche der beiden Parteien pflegt, einfach nur enttäuscht wird. Ich will jetzt nicht von Kuschelkurs sprechen; dieser Terminus kommt mir so herzhaft unpassend vor. Wenn man aber etwas hinter die Fassade blickt, könnte einem beinahe das große Kotzen kommen. Beinahe schamlos nützen die beiden Parteien ihre Macht aus, und man merkt plötzlich, wie rasant die Staatsanwalt z.B. in Bezug auf BZÖ (Westenthaler) und FPÖ (Winter und Graf) arbeiten kann, die Anklage gegen Günther Platter und Josef Pühringer aber selbst nach einem Jahre noch nicht steht (bzw. erscheint einfach überhaupt keine Meldung der Staatsanwaltschaft zu diesem Fall). Nur weil es möglicherweise den gerade im Wahlkampf befindlichen Landeshauptmann von Oberösterreich nicht zu stören. Und die Regierung Faymann ist in allen Belangen so unglaublich untransparent. Man entscheidet, die Medien berichten, die Opposition streitet, und das war es. Was wurde genau entschieden, was wird sich dadurch ändern? Ich weiß, das Erwähnen Obamas nervt zum Teil schon, aber wie seine Regierung all seine Aktionen im Internet promotet und somit vielen Menschen Zugang zu solch wichtigen Informationen gibt, ist einfach nachahmungswürdig. Um nicht so abgehoben zu wirken, wie es diese Politiker der aktuellen Riege
Und so wird meine überübernächste Wahl, die Landtagswahl in Oberösterreich (nach der ÖH- und der EU-Wahl) eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Und ja, ich finde es traurig, dass meine favorisierte Partei so schlechte Politik macht. Und vielleicht wäre es auch hier von Nöten, dass die FPÖ dazugewinnt, um Josef Pühringer (ÖVP) und Erich Haider (SPÖ) endlich von der Spitze der beiden Parteien wegzubringen. Denn auch sie halten an einer nicht zukunftsorientierten Politik fest. Es wäre ein Erdbeben im Land Oberösterreich, aber irgendwie wünsche ich es mir.
Man muss nicht unbedingt Populist sein, um Stimmen zu erlangen. Manchmal hilft da einfach nur gute politische Arbeit. Denkt doch mal bitte dran, liebe ÖVP, liebe SPÖ und liebe Grünen! Und sonst werde ich einfach meine Vision einer neuen Partei doch noch umsetzen.
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Wohin soll sich die Politik entwickeln? - Andreas Lindinger
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