
Wir stehen hier vor einer ganz besonderen Herausforderung. Die Menschen haben sich eine neue, stabile Regierung gewünscht.
Josef Pröll müsste eigentlich jedem schon ein Begriff sein. Seit 2003 (Regierung Schüssel II) sitzt er als Bundesumweltminister (genauer gesagt als Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft) im Parlament und ist damit auch das jüngste Mitglied der österreichischen Bundesregierung. Wenige Tage nach der Wahl wurde er noch dazu zum geschäftsführenden Bundesparteivorsitzenden der ÖVP in das höchste Amt der Partei erhoben, und hat damit die Aufgabe, zu entscheiden, wie die Volkspartei in den nächsten Jahren mitentscheiden wird.
Josef Pröll wurde am 14. September 1968 in Stockerau, in Niederösterreich geboren und besuchte von 1978 bis 1986 das Bundesrealgymnasium Hollabrunn. Anschließend studierte er und schloss 1993 das Studium der Agrarökonomie an der Universität für Bodenkultur Wien ab. Seit seinem Studium führt er auch seinen Hauptwohnsitz in Wien an. Dort lebt er mit seiner Frau und drei Kindern. Und wie wohl auch die Meisten schon wissen, ist er der Neffe des niederösterreichischen Landeshauptmannes Erwin Pröll.
Vor seinem Einstieg in die Bundespolitik arbeitete er als Referent der Niederösterreichischen Landes-Landwirtschafskammer und als Referent im Österreichischen Bauernbund. Außderm wirkte er als Assistent der EU-Abgeordneten Agnes Schierhuber, als Direktor des Wiener Bauernbundes, als Kabinettschef von Bundesminister Wilhelm Molterer sowie als Direkter des Österreichischen Bauernbunds. Seit 2003 war er aber dann durchgehend in der Regierung vertreten.
In der Regierung unter Bundeskanzler Gusenbauer war er neben dem Umweltminister auch Koalitionskoordinator (so wie jetzt auch Bundesparteivorsitzender der SPÖ, Werner Faymann) und hatte hierbei die Aufgabe, Frieden und Zusammenhalt in der Regierung zu schaffen. Beide sind an dieser Aufgabe, wie durch die Neuwahlen ersichtlich wurde, dabei kläglich gescheitert.
Darüber hinaus war Pröll Leiter einer ÖVP-Perspektivengruppe, welche 2007 Vorschläge für eine Neuausrichtung der Partei ausarbeitete. So versuchte man eine gesellschaftspolitisch liberalere Linie zu finden, da natürlich beim katholisch-konservativen Flügel der Partei auf Unmut stieß. Jetzt, nach der “Übernahme” der obersten Parteifunktion kündigte er auch schon grundlegende Veränderungen der volksparteilichen Politik an. Wie diese nun aussehen werden könnte, darüber schweigt er aber immer noch. Nur schien am Anfang die Linie Wolfgang Schüssels, welche von Wilhelm Molterer fortgeführt wurde, zu einem beträchtlichen Teil Geschichte, bis der Name Molterer wieder im Verhandlungsteam auftauchte (man erinnere sich: 2006 saßen Wolfgang Schüssel und, soweit ich weiß, Wilhelm Molterer im Verhandlungsteam, diesmal Wilhelm Molterer und Josef Pröll). Aber vielleicht schafft es Josef Pröll trotz Politiker der alten Linie etwas Neues in der ÖVP zu erreichen.
Gut gelaunt, unverbindlich und mit intensiver PR-Tätigkeit in eigener Sache, schaffte es Pröll in kurzer Zeit, sich zu einem Liebling von Partei und Medien hinaufzuarbeiten.
In Umfragen rangiert er nach Bundespräsident Heinz Fischer zumeist auf Platz zwei der beliebtesten Politiker. [Kurier.at]
Josef Pröll ist ein Freund der Großen Koalition, und nach dem Vier-Augen-Gespräch mit Werner Faymann starten heute die Koalitionsverhandlungen. Seine erste richtig große Herausforderung als Parteivorsitzender.
Quellen:

Letzte Kommentare