
Aaron hat sich zum Start seines neuen Blogs etwas überlegt. Und beginnt auch sogleich eine Blogparade. Wie auch schon jene von Thomas, welche ich hier beantwortete, befasst sie sich im Groben mit dem Thema Web 2.0 und im Spezifischeren mit dem Thema Blogs.
Wem oder was nützen Blogs? - Das ist natürlich eine gute Frage. Und neben der Frage “Sind Blogs tot?” wohl wahrscheinlich die Zweitbeliebteste. Also: Blogs sind nicht tot (sie werden erst einmal richtig lebendig, irgendwann einmal) und Blogs sind nützlich. Wenn man von der noch überschaubaren österreichischen Blogosphäre (die Top-Blogger befinden sich scheinbar allesamt in Wien) ausgeht, kann man eigentlich nur – wenn überhaupt – eine ganz klitzekleine Nützlichkeit erkennen. Meistens ist es ja so: Blogger bloggen für Blogger. Ich denke, dass nur ein ganz geringer Prozentsatz Stammleser keinen eigenen Blog hat. Aber wie ich erst kürzlich twitterte, fällt mir auf, dass immer mehr Menschen nun schon etwas unter diesem ominösen Begriff “Blog” verstehen. Und wenn man erst einmal dem frisch beginnenden User erklärt hat, dass es beileibe kein höchstprivates Tagebuch sein muss, sondern sehr häufig (und meist um einiges erfolgreicher) themenspezifisch ist. Politik eben, oder Gesellschaft. Oder Fußball. Oder auch: Schwangerschaft. Alles ist möglich.
Aber das ist nicht wirklich die Antwort. Wem nützen Blogs? Ich denke, zurzeit sind Blogs vor allem interessante Informationsquellen für internetaffine und interessierte Menschen. Ich wette – und das mit vollem Ernst -, dass ich durch die Benutzung der Medien des Web 2.0 einerseits viel schneller [Twitter sei Dank] und andererseits auch differenzierter informiert bin, als Menschen, die sich nur durch Zeitung, TV und Radio Informationen beziehen. Blogs sind zwar zu 100 % subjektiv, aber dass sind alle anderen Medien auch. Nur, dass es Blogger eben meist selbst zugeben, und somit um einiges kritischer agieren können. Blogs können Themen Platz einräumen, welche von den großen Medien eher wenig beachtet werden (bei NEUWAL lag ein Fokus auch auf die Kleinparteien und Parteigruppierungen, die Unterstützungserklärungen sammelten).
Wir leben glücklicherweise in einer Demokratie. Und durch Blogs können wir unser Recht auf freie Meinungsäußerung perfekt ausleben und erreichen damit unzählige Menschen. Blogs haben in Österreich bis jetzt noch nicht die Macht, meinungsbildend zu wirken, aber im Laufe der Zeit wird auch das noch eintreten. Dass z.B. auch 9 der wichtigsten Web 2.0-Blogger das neue T-Mobile G1 – Handy zu Testzwecken zur Verfügung stellen, zeigt, dass auch renommierte Firmen immer häufiger auf die große Leserschaft von Blogs aufmerksam werden. Ein Gadget für das mobile Internet kann doch wohl nur im Internet richtig vermarktet werden. Denn gerade hier liegt der größte Markt für eben dieses. Und ich behaupte auch, dass Politikinteressierte immer öfter auf Blogs aufmerksam werden. Eine Redakteurin der österreichischen Zeitung Economy bat mich kürzlich um ein Gespräch zum Thema Blogs und Demokratie. Leider ging es sich aus Zeitgründen nicht mehr aus, aber in einem baldigen Gespräch werden wir über die österreichische Blogosphäre diskutieren. Und auch das Qualitätsmagazin DATUM arbeitet aktiv mit Blogs.
Blogs befinden sich in Österreich noch in den Kinderschuhen. Aber je öfter andere Medien auf Blogs aufmerksam werden und sie bewerben, desto höher werden mit Sicherheit auch die Leserzahlen. Und irgendwann werden auch Nicht-Blogger wissen, was ein RSS-Feed ist, und sich neben z.B. orf.at oder diepresse.com auch auf den renommiertesten Blogs Österreichs informieren. Und ja, ich glaube, dass sich in nächster Zeit einige Blogs herauskristallisieren werden. Persönliche Blogs sind sohingehend auf eine geringe Leserzahl eingestellt, aber themenspezifische Blogs werden aktuell immer häufiger und stärker genutzt.
Blogs sind ein unglaublich wichtiger Bestandteil der freien Meinungsäußerung. Denn neben dem (oft geleugneten, aber völlig offensichtlichen) Stolz über die Selbstpublikation kann man so seine Meinung kundtun, sie mit anderen teilen oder Diskussionen lostreten. Wenn Blogs in Österreich erst einmal eine gewisse Wichtigkeit auch in der Non-Web2.0-Generation hat, erst dann sind Blogs auch wirklich von “weltbewegendem” Nutzen. Zurzeit hingegen würde ich behaupten, dass sie zwar höchstinteressant, zu einem gewissen Teil auch schon kurz vor dem Schritt vom Amateurhaften zum Professionellen sind, aber trotzdem nur eine relativ geringen Leserschaft nützlich sind. Oder um es besser zu sagen: Sie sind für alle nützlich, nur eine Minderheit aber nutzt sie.
Weitere Blogparadenbeiträge [wird täglich aktualisiert]
Who benefits from blogs? - YOIT.cc
Blogparade: Wem oder was nützen Blogs? - EFO. PUNKT. CH
Letzte Kommentare