
Die Zeitung Der Standard lud heute Nachmittag in den Dschungel Wien im Museumsquartier. Diesmal befand sich der Bundespräsident im Gespräch mit Jugendlichen. Neben ihm Platz genommen haben der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier, die Schülerinnen Sara Mansour Fallah und Vici Staus sowie der Student Josef Kirchner. Moderiert wurde das gane von Alexandra Föderl-Schmid, der Chefredakteurin von Der Standard.
Da ich mich orientierungsbedingt verspätet hatte, habe ich den Anfang der Diskussion verpasst. Den Einstieg machte ich mit der Frage, warum der Herr Bundespräsident nichts dagegen macht, dass z.B. Jörg Haider, Landeshauptmann von Kärnten, die Verfassung lächerlich macht, indem er seit Jahren und Jahrzehnten keine zweisprachigen Ortstafeln im Teil Kärntens anbringt, die nahe der slowenischen Grenze liegen. Herr Fischer meinte dazu, dass er dazu nicht die Macht hätte, dazu benötige es vielmehr zuvor einen Beschluss vom Verfassungsgerichtshof. Erst dann könnte etwas getan werden. Der Bundespräsident könne sich nicht über die Rechtsordnung hinwegsetzen, Gesetze sind strikte Richtlinien.
Auf die Frage, warum er nicht reagiere, wenn jemand wie Heinz-Christian Strache die Aufhebung des Verbotsgesetzes fordert, meinte er, dass die Befürworter dieses Antrages sowieso keine Chance hätten, da dies ein Verfassungsgesetz ist, die “politische Hygiene” würde da schon aufpassen.
In einem kurzen Einwand von Herrn Filzmaier wurden die Möglichkeiten des österreichischen Bundespräsidenten genannt. Dieser sei eine moralische Instanz, welche aber nirgends eingreifen darf. Außer die in der Verfassung verankerten Möglichkeiten, bestimmte Personen zu nennen, bzw. abzulehnen (so wie es Klestil schon einmal tat).
Auf die Frage, welche Personen bzw. Gruppierungen er z.B. ablehnen würde, wich Herr Fischer aus. Ihm gefalle die Balanciertheit zwischen ihm (dem Bundespräsidenten), der Bundesregierung, dem Nationalrat und auch der demokratischen Komponente (durch Volksbegehren o.ä.). Er lehne es deshalb auch einfach dezidiert ab, sich über irgendeine Ernennung zu äußern.
Auch wenn es absehbar sei, dass es erneut eine Große Koalition geben werde: “Würde der Herr Bundespräsident eine Minderheitsregierung der SPÖ oder auch eine ÖVP-FPÖ-BZÖ-Regierung angeloben?” Dies stehe für ihn zurzeit noch nicht zur Debatte, aber aufgrund der in Österreich herrschenden Demokratie dürfe er keine Partei ausgrenzen. Als man erklärte, dass, sollte Herr Fischer nicht mehr sein Amt ausführen können, das Präsidium des Nationalrates (Prammer, Spindelegger und möglicherweise Martin Graf (FP)) seine Amtshandlungen übernehmen würde, fragte man ihn, wie er sich dabei fühle, wenn einer aus der Burschenschaft Olympia für das Land sorgen müsse. Fischer meinte dazu, dass schließlich das ganze Präsidium diese Tätigkeiten tun würde, und nicht ein einziger.
Eine Schülerin erwähnte, dass in ihrem Geschichtsbuch der Bundespräsident Österreichs als “schlummernde Macht” bezeichnet wird. Wie sieht es aus, wenn die schlummernde Macht aufwacht? Hierzu nannte Fischer ein Beispiel aus dem ersten Quartal dieses Jahres. Da machte er (als erster Präsident der zweiten Republik) von dem Recht Gebrauch, ein Gesetz abzulehnen (aufgrund Verfassungswidrigkeit).
Eine Frage, die sich durch die ganze Diskussion zog, war, warum der Bundespräsident nicht zu Aussagen wie
jene von Strache (Verbotsgesetz), öffentlich Stellung bezieht. Herr Fischer erklärte, dass er nicht immer als Zwischenrufer abgestempelt werden möchte, sondern zwei, drei, vier Mal im Jahr zu gewissen wichtigen Dingen Stellung bezieht, um auch wirklich gehört zu werden. Als Gudenus (FP) einmal öffentlich “bezweifelte”, dass es in Mauthausen keine Gaskammern gab, habe er aber sofort auf die Wahrheit hingewiesen.
Ein junger Mann aus dem Publikum kritisierte die Verlängerung der Legislaturperiode von 4 auf 5 Jahre. Dadurch wäre die Mitbestimmung des Volkes, die “Volksherrschaft” beschränkter geworden. Herr Fischer meinte, dass des schon seit Jahrzehnten diskutiert wurde. Früher war die ÖVP dafür, Oppositionsführer Kreisky war dagegen, als Kreisky es schließlich forderte, war die ÖVP dagegen. Durchschnittlich halte eine Regierung 3,1 Jahre, durch die Verlängerung der Legislaturperiode würde sie sich dann auf 4 Jahre erweitern. Herr Filzmaier nannte noch weitere Zahlen. Die durchschnittliche Regierung seit ’94 ist 20 Monate im Amt. Er halte die Verlängerung der Legislaturperiode für nicht schlecht. Er wies aber auf Möglichkeiten hin, wie man das Wahlrecht in Richtung möglichst weniger Politikverdrossenheit zu verändern; hier nannte er u.a. das personenorientierte Wahlrecht (also die direkte Wahl von Nationalratsabgeordneten).
Die Abschlussrunde befasste sich mit dem Grundthema der Diskussion: Wie soll die politische Kultur in den nächsten fünf Jahren aussehen? Josef Kirchner meinte, dass die politische Kultur vielschichtig bleiben, und Richtungen eingehalten werden sollen. Herr Filzmaier wünscht sich, dass in fünf Jahren die Politik nicht mehr eine ruinierte Branche ist. Vici Staus wünscht sich mehr Mitspracherecht für SchülerInnen. Sara Mansour Fallah wünscht sich einen stilvollen und moralischen Umgang mit politischer Macht. Und Fischer wünscht sich einfach einen respektvolleren Umgang untereinander.
Meine Meinung zu dieser Diskussionsrunde: Es ist großartig, dass Der Standard eine solche Veranstaltung für die Jugend veranstaltet. Über den daraus erlangten Informationsgehalt kann ich aber nicht viel sagen. Herr Fischer gab nie eindeutige Antworten oder berief sich auf seine Überparteilichkeit als Bundespräsident. Es ist natürlich sein gutes Recht (und manchmal vielleicht auch besser so), doch wirklich auf den Punkt kam er nie.
Noch einmal möchte ich mich bei Jü bedanken, die mir von dieser Veranstaltung erzählte. Vielen, vielen lieben Dank!
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