Posts Tagged 'Bildung'

Zum Dampf ablassen: Uni Wien

Man betrachte diesen Eintrag hier als ein kleiner Einschub zum reinen Dampf ablassen. Mehr soll er auch nicht sein. Aber der Ärger ist da. Ich bin schon ganz still und blicke mit bösen Augen ins Nichts. Hmpf.

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Der Streik ist (scheinbar) abgesagt

Laut derStandard.at scheint der Konflikt zwischen Lehrergewerkschaft und Unterrichtsministerin Schmied nun beigelegt. Ich habe auf der Nachrichtenseite zwar bis jetzt nur eine vage Überschrift zu lesen bekommen, aber ich dachte, ich berichte auch hier (nachdem das Thema in den letzten Tagen ja mehrmals behandelt wurde) über diese Wende. Mal sehen, zu welchem Kompromiss es nun gekommen ist, ob es denn nun eine Budgetaufstockung durch Finanzminister Josef Pröll gibt und. Naja. Ich lasse das hier einfach mal so stehen und werde mich dann morgen mit mehr Informationen zurückmelden.


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Neunundneunzigkommadrei, Faymanns Querstellung und die Suche nach Niveau

Der diesjährige oberösterreichische Landesparteitag im Linzer Design Center stand dieses Mal wieder unter dem Thema Landtagswahl. Erich Haider und Josef Ackerl sparten nicht an Seitenhieben und Bundekanzler Werner Faymann kündigt einen möglichen Protest von seiner Seite an, sollte die ÖVP im Lehrerstreit nicht endlich einlenken würde und entweder dem Schmied-Vorschlag zustimmen oder ein größeres Budget zur Verfügung stellen.

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Man streikt nicht fürs Leben, sondern für die Schule

A neverending story? Der Streit der Lehrergewerkschaft mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied gipfelte zuletzt im Auftritt des Chefs der Pflichtschullehrergewerkschaft, Walter Riegler in der Zeit im Bild 2 und wird am Donnerstag in einer Woche in einen StreikProtesttag überlaufen.

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2 Stunden und ihre Folgen

Es war beinahe wie ein Feiertag für die Medien. Anstatt vom ständigen “Kuschelkurs” zu berichten, konnten die Medien wieder einmal ihr Minister-Bashing starten. Wovon ich rede? Von Claudia Schmied und ihrer Rolle als Unterrichtsministerin. 

Man fragt sich natürlich: Was kann man eigentlich alles falsch machen? Schmied offenbarte den Medien ihre Pläne von budgetorientierter Schulreform. Ohne die Lehrergewerkschaft in irgendeiner Art und Weise getroffen, dazu befragt, und mit ihnen diskutiert zu haben. Alleine schon deshalb kann ich den Unmut der Lehrer verstehen. Anschließend sah sie sich auf verlorenen Posten: Sie müsse einfach die Verpflichtung der Lehrer um zwei Stunden erhöhen, denn jeder müsse seinen Beitrag zur Finanzkrise leisten. Und das Budget für Bildung ist sowieso auch dieses Mal nicht wirklich groß. Und das wäre auch schon Fehler Nummer zwei: Wie konnte man die finanziellen Mitteln für Bildung nur wieder so knapp berechnen? Sind sich Unterrichtsministerin Claudia Schmied (ehemaliges Vorstandsmitglied der Kommunalkredit) und Finanzminister und Vizekanzler Josef Pröll nicht bewusst, dass vor allem in Zeiten des globalen Erzitterns das Investieren in die Bildung langfristig nur Positives bringen würde? Und warum zieht sich plötzlich Herr Pröll ganz heimlich aus der Affäre? Ist doch er einer der zwei wichtigen Personen im Bezug auf das Budget für ein Ministerium. Oder ist das nur der abgewürgte Neustart nach dem Molterer-Stillstand? Kehren sie etwa zur alten VP-Politik zurück? Und was macht Faymann? Er stellt nur die Forderung, doch bitteschön bis Ende April mit den Streitereien fertig zu sein. 

Und zu den Lehrern selbst: Ich glaube, dass engagierte und vor allem Lehrer mit wirklich pädagogischer Ausbildung mehr als ihre 20 Stunden (+ geschätzter 20 Stunden Vor- und Nachbereitung) für die Schule aufbringen. Natürlich kenne ich auch Lehrer, ich habe selbst mal solche gehabt, die mit dem geringsten Aufwand gearbeitet haben: alte Unterlagen, fehlende Technik-Affinität, pädagogischer Griff ins Klo. Aber die Mehrheit der Lehrer meiner Schullaufbahn war engagiert, schaffte es, das zu unterrichtende Thema interessant aufzubereiten. Deswegen finde ich es schade, dass Lehrer vor allem in den Boulevard-Medien ebenso schlecht wegkommen wie Airbrush-Lady Schmied.

Eines Tages (Nachforschungen ergaben: es war der 4. März dieses Jahres) drohte Unterrichtsministerin Claudia Schmied sogar mit ihrem Rücktritt. Auch das zeigt ihr Unvermögen an, Politik zu betreiben. Jahrelang motzten Lehrer (und das waren wirklich Lehrer aller politischen Richtungen) gegen Unterrichtministerin Elisabeth Gehrer und ihren Reformunwillen. In kürzester Zeit schafft es aber nun Claudia Schmied mithilfe schrecklicher Kommunikationsfehler, einer falschen Budgetpolitik und überzeugenden politischen Auftritten Frau Gehrer als Feindbild der Lehrer abzulösen.

Wie das nun ausgehen soll? Vielleicht mit einer Erhöhung des Budgets (denn, und das sagt wohl ein jeder Experte: Sparen ist natürlich super … aber nicht an der Bildung!) Oder mit einem Kompromiss zwischen der Lehrergewerkschaft und der Unterrichtsministerin. Oder vielleicht aber auch mit dem vorangekündigten Rücktritt. Aber damit wäre zumindest erneut ein neues Kapitel aufgeschlagen, um zu zeigen, wie sozialdemokratische Politik (sozial: von lat. socius = gemeinsam, verbunden, verbündet; demokratisch: gr. Δημοκρατία, von δήμος [démos], „Volk“, und κρατία [kratía], „Herrschaft“, vgl. -kratie) nicht aussehen sollte. 

Und nein: Ich konzentriere mich hier nicht auf das Bashing der österreichischen Sozialdemokratie. Es ist sicherlich keine Absicht. Aber zurzeit scheinen sich die SP-Politiker einfach nur zu gerne nebeneinander aufzustellen, um eine Ohrfeige abzubekommen.

Zwischen Integration und Parallelgesellschaft

In der ZIB 24 habe ich von einer neuen Studie zum Thema “Islamischer Religionsunterricht” erfahren. Der Islamwissenschaftler und Soziologe Mouhanad Khorchide zeigt nun in seiner Studie “Der islamische Religionsunterricht zwischen Intergration und Parrallelgesellschaft: Einstellungen der islamischen ReligionslehrerInnen an öffentlichen Schulen”, wie die Einstellungen einiger Religionslehrer sind.

Radikale Einstellungen islamischer Religionslehrer*

Demnach lehnen 22% der 199 Befragten (von rund 350 Religionslehrerin insgesamt laut ZIB24) “die Demokratie ab, weil sie sich mit dem Islam nicht vereinbaren lässt.” 28% sehen einen “Widerspruch zwischen Muslim und Europäer sein.” Ein weiteres Detail der Studie, welches im Beitrag auf ZIB 24 verschiegen wurde, ist, dass 37% der aktuell tätigen Religionslehrer keine theologische, 41% keine pädagogische Ausbildung vorweisen können. 

Für mich sind das erschreckende Ergebnisse. Österreich ist das erste Land in der EU, welches den islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen eingeführt hat. Diese Tatsache empfinde ich als extrem lobenswert. Ich bin ein großer Verfechter der Religionsfreiheit. Aber dass viele (zwischen 14 und 17 Prozent) der Befragten meinen, dass der Islam verbiete an Wahlen bzw. der österreichischen Kultur teilzunehmen, oder sie lehnen die österreichische Verfassung ab, weil sie im Widerspruch zum Islam steht, zeigt, dass rund ein Fünftel aller islamischen Religionslehrer – meiner Meinung nach – auf gar keinen Fall Kinder und Jugendliche unterrichten sollen.

Aufmerksam gemacht wurden alle Medien durch die aktuelle Titelstory des heute erscheinenden Falter. Scheinbar wird die oftmals belächelte, aber meiner Meinung nach absolut hochwertige “Stadtzeitung” zum Aufdecker der Nation. Und das im Gegensatz zu den oft selbstbenannten Aufdeckern aus der Boulevardpresse. Die Studie wurde demnach schon 2008 fertiggestellt und ist ab Februar 2009 in gedruckter Fassung käuflich zu erwerben.

Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), ließ sich im ZIB24-Interview zu wenig Aussagekräftigem hinreißen. Sollte man offensichtliche Hinweise bekommen, würde man den/die LehrerIn natürlich entlassen. Aber aufgrund der Anonymität dieser empirischen Studie kann man jetzt nur “besinnlich und seriös” die Studie durcharbeiten und an der Veränderung arbeiten. Der Falter beschreibt die Gründe wie folgt: Als 1982 der islamische Religionsunterricht in Österreich eingeführt wurde, gab es im Land keine qualifizierten Lehrkräfte, dafür wurden Religionslehrer aus der Türkei “importiert”. Erst seit 1998 gibt es die Islamische Religionspädagogische Akademie (IRPA). Khorchide erklärt dazu in seiner Studie, dass die zweite Generation der Religionslehrer schon stärker mit Österreich verbunden sei.

Von „besserer Aufsicht“ (Grüne) über „eingreifen“ (ÖVP) bis „sofort suspendieren“ (FPÖ) und „Ausweisung von Lehrern“ (BZÖ) reichten die Stellungnahmen aus den Parteibüros.*

Ich bin gespannt, wie diese Geschichte nun weitergeht. Wie reagiert das Unterrichtsministerium (bisher forderte es nur einen umfassenden Tätigkeitsbericht)? Und wie will die Islamische Glaubensgemeinschaft weitere Aktionen in Angriff nehmen? Ich persönlich hoffe nur, dass bald kein fundamentaler Religionsunterricht mehr in Österreich stattfinden wird (ob es diesen auch im römisch-katholischen, bzw. evangelischen Religionsunterricht gibt, kann ich nicht bewerten, da ich selbst stets nur sehr liberale LehrerInnen hatte; aber ich denke, dass es auch hier einige schwarze Schafe gibt)

Weitere Informationen und Quellenangaben:
Islam-Lehrer als Problemfall – diePresse.com (*)
Islam-Lehrer an Österreichs Schulen teils Fanatiker – diePresse.com
Die Islamlehrer – Falter.at
Anas Shakfeh im Interview – Falter.at 
Islamischer Religionsunterricht – religion.orf.at

Die Qual der Wahl.

Seit dem 7. Juli gilt der zweite Nationalratswahlkampf innerhalb von zwei Jahren als eröffnet. Und doch scheint alles irgendwie anders.

“Es reicht!” Mit diesen Worten beendete Vizekanzler Wilhelm Molterer seine Zusammenarbeit mit der SPÖ. Somit endete nach eineinhalb Jahren eine der umstrittensten Regierungen der zweiten Republik. Der Grund für den Split war schlussendlich im Ende der Kompromissbereitschaft der SPÖ zu sehen. Da die ÖVP bei den Verhandlungen zur Gesundheitsreform darauf bestand, die Beamten- und die Landwirtsversicherung nicht überprüfen zu lassen, und die SPÖ keinen Grund dafür sah, endete somit diese Koalition.

Mit dem Ende der Regierung wurde auch das Ende eines sehr klugen Menschen eingeläutet: Alfred Gusenbauer nahm seinen Hut, gab Werner Faymann den Vortritt und schaffte den wohl misslungensten Abgang eines Bundeskanzlers. Nur durch Misskredit und Kindheitsmetaphern von den Medien beachtet, steigt er als am kürzesten amtierender Bundeskanzler aus seinem Amt. Werner Faymann, der sogenannte Liebling der Boulevard-Presse (familiäre Connections zur Kronen Zeitung und zum Gratisblatt “Heute” sind nachgewiesen), muss nun etwas schaffen, was vor acht Jahren Alfred Gusenbauer, also Nachfolger Viktor Klimas, erfolgreich schaffte. Eine Partei nach einer misslungenen Zeit über Wasser zu halten.

Die ÖVP, welche diesmal nicht auf einen Kanzlerbonus setzen kann, so wie bei der letzten Wahl, muss sich Sachthemen überlegen. Viele Dinge, die die SPÖ mithilfe der ÖVP durchsetzen wollte, wurden abgewiesen, oder zur Unkennbarkeit abgewandelt. Hätte sich zum Beispiel durch den Reformvorschlag von Frau Unterrichtsministerin Schmied (SP) endlich mal etwas in der Bildung getan, so wurden daraus nur wenige Projektversuche. Dass die ÖVP nun versucht, all das, was sie nicht ermöglichten, in den Wahlkampf einzubauen und zu sagen: Wählt uns, dann bekommt ihr all das! ist mehr als bemerkenswert lächerlich. Und so unglaublich es auch sein wird, die wahrscheinlichen Verluste der ÖVP bei der Wahl dürfte dieses Jahr wohl nicht als Fehler des Wählers angesehen werden, wie vor zwei Jahren. Denn die Proteststimmen werden es schon zeigen.

À propos Protest. Die FPÖ wird dank dem Auffangnetz für Protestwähler stark zulegen. Mit ihrem Spitzenkandidaten, HC Strache, dem König des geschmacklosen Ausländerwahlkampfes, könnten sie vielleicht sogar wieder an der 20 %-Marke kratzen. Und das BZÖ, das Bündnis Zukunft Österreich, zurzeit noch in den Medien durch Verfahren gegen Peter Westenthaler und Deportationen à la Landeshauptmann Jörg Haider, könnten theoretisch durch die Rückkehr von Haider sogar wieder bis an die 10 % – Hürde kommen. Die Grünen, gerade auf dem Weg als erste der im Parlament vertretenen Parteien den Wahlkampf offensiv im Web 2.0 zu führen, werden wahrscheinlich bei der Wahl still auf ihren Prozenten verharren und können somit von dem Protest gegen die Bundesregierung nicht profitieren.

Was bemerkenswert ist: Unzählige Kleinparteien, von der Ärztegruppierung “Die Weißen”, “Rettet Österreich!” durch Karl Nowak, die “Soziale Kultur Österreichs” mit Schauspieler Karl-Heinz Hackl, “partei3″, einer Online-Formierung, bis hin zur Piratenpartei, der Liste Dinkhauser, dem Linksprojekt und den altbekannten wie die KPÖ oder das Liberale Forum, möchten zur Wahl antreten. Und ich denke, noch nie wurde diesen Kleinparteien vor der Wahl so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Am ehesten der Liste Dinkhauser könnte ein Einziehen in den Nationalrat gelingen, da er schon in Tirol einen Achtungserfolg hinlegen konnte, und auf Anhieb zweitstärkste Partei wurde.

Am 28. September 2008 wird gewählt. Die Zeit bis dahin wird spannend, die Medien werden nur mehr ein Thema haben (und dadurch vom Sommerloch verschont) und die Versprechen der Politiker wird sich häufen. Ich werde wie immer live dabei sein, und auf irgendeinem Blog wird man schon von mir lesen. Die Qual liegt nicht nur beim finden der “richtigen” Wahl, sondern das Wählen selbst wird ab einer bestimmten Häufigkeit selbst zur Qual. Aber passend zur Neuwahl findet man auf Neuwal.com, einem Gemeinschaftsblog von Dieter Zirnig initiiert, zum Wahlkampf.

Neuwal sammelt unserer Meinung nach interessante Informationen mit Meinungen und Kommentaren. Es ist interessant zu sehen, wie sich Politik im Web abspielt und was man im Web alles abbilden kann. Wie agieren Parteien im 2.0 Zeitalter über alle Medien hinweg.

Neuwal plant Interviews, Stimmungsberichte, Umfragen, Kommentare und Analysen. Es gibt Platz für jede Menge Kreativität, Kritik und “Reflektion”.

Neuwal beobachtet. Neuwal möchte nicht auf Parteien oder einzelne Politiker schimpfen oder sie zerlegen. Kritik gehört dazu.

Passend zum Thema Neuwahl eine Auswhl einiger Texte:

Der Text Neuwahl beschäftigte sich am 19. März 2008 mit der Tatsache, dass Neuwahlen sowohl für SPÖ als auch für die ÖVP ungelegen kommen würden. Am 28. Februar 2008 befasste ich mich in Wir sind Politikverdrossenheit! mit dem Lügenkarussel der Politik (passend dazu der Text Politikverdrossenheit vom 29. August 2007). In Humanitäres Abwählrecht behandelte ich die Handhabung des Asylgesetzes durch den ehemaligen Innenministers Platter (19. Dezember 2007). Ebenso wie im Text Medienwirksames Opfer der Gesetze vom 23. Oktober 2007. Hier noch etwas zur geplanten Onlineüberwachung vom 14. September 2007: Die Deutschlandisierung Österreichs. Auf Moon Safari, einem neuen Blog wurde darüber auch schon ausgiebig geschrieben: Über das Einmischen eines gewissen Herrn Zilk im Text Wie im Hühnerstall (11. Juni 2008), über den Brief der SPÖ an die Krone unter Eine Prise FPÖ/BZÖ-Populismus für die SPÖ, bitte! (27. Juni 2008), Frust machte sich bemerkbar im Text Der gelebte Stillstand und die Angst der Regierenden vor dem Ende. vom 2. Juli 2008, bis schließlich am 7. Juli 2008 die Regierung beendet wurde, zu finden im Text Es reicht. Das Ende der großen Koalition und die Wiederaufnahme des Nationalratswahlkampfes. Der letzte Text, von heute, dem 23. Juli 2008, befasst sich mit einer einzigen Partei: Die ÖVP. Warum ich nicht verstehen kann, wie man eine solche Partei wählen kann. Und auch meinem Hauptblog Neon Wilderness gab es ebenso einen Text zu Das Ende einer Regierung. Und großartig, noch vor dem Brief der SPÖ an besagte Zeitung gelang mir hier, meine subjektive Meinung niederzuschreiben: Kronisch Subjektiv. (25. Mai 2008.)

Matura Reloaded?

Wenn man bald schon auch mit Lehre und 900 Schulstunden in vier Jahren zur Matura kommt, wer bitteschön besucht dann noch eine HAK, eine HTL oder eine AHS?

In Burgenland startet ab November 08 in drei Orten ein Pilotversuch. welches jungen Menschen ermöglicht, mit dem Abschluss des Lehrberufes auch die Matura zu erlangen. Das Land fördert Unternehmen, die das ihren Lehrlingen zur Verfügung stellen, mit insgesamt 2500 Euro.  Mittelfristig sollen 10 Prozent der 800 Lehrlinge im Burgenland ihre Lehre mit der Matura abschließen.

Das Wissen für die Matura erlernen die Lehrlinge jeweils freitags. Auf vier Jahre verteilt insgesamt neunhundert Unterrichtsstunden. Unterrichtet werden Deutsch, Englisch, Mathematik und EDV. Ist schlussendlich diese Matura mit der Matura in AHS, BHS oder HTL vergleichbar? Wo man dort doch fünf mal die Woche mit unzähligen Wochenstunden und einem beinahe unüberschaubarem Fächerspektrum konfrontiert wird?

Wenn man nach dem Ende der Schulpflicht vor der Entscheidung steht, ob man nun eine weiterbildende höhere Schule besucht oder eine Lehre beginnt, spricht jetzt natürlich viel für eine Lehre. Man verdient Geld, kann die Matura machen und steht abschließend als junger Mann/junge Frau da, welche/r den Abschließenden der höheren Schulen in manchen Dingen bei weitem voraus sind. Durch dieses Pilotprojekt werden höhere Schulen und im weiteren Sinne auch die Matura abgewertet.

Wenn man technisch begabt ist, und danach ein technisches Studium beginnen möchte, ist man meiner Meinung nach in einer HTL um einiges besser aufgehoben. Und die Bildung eines Maturanten, der vier oder fünf Jahre lang fünf Tage wöchentlich in die Schule geht, ist weiter über dem Bildungsniveau eines Lehr-Maturanten. Das kann man wohl unumstritten feststellen. Denn nie könnte man in 900 Stunden in 4 Jahren und 4 Fächern so viel lernen, wie man es in weiterbildenden höheren Schulen tut.

Deswegen bin ich diesem Versuch der burgenländischen Landesregierung sehr abgeneigt. Zu wenig durchdacht, zu schnell beginnend. Und vielleicht auch nur ein verzweifelter Versuch, die Akademikerquote zu steigern.


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