
In den frühen Morgenstunden des gestrigen Samstags verstarb mit Jörg Haider Kärntens Landeshauptmann, der Parteivorsitzende des Bündnis Zukunft Österreichs und die konstanteste politische Figur in Österreich.
Laut heutigen Berichten soll Jörg Haider mit seinem relativ neuen VW Phaeton (ein normalerweise sehr sicheres Auto) mit 142 km/h auf der Landstraße in Richtung des Bärentals unterwegs gewesen sein. Die Geschwindigkeitsbeschränkung an der Unfallstelle liegt bei 70 km/h, einhundert Meter danach nur mehr 50 km/h. Somit hat er mit stark überhöhter Geschwindigkeit nach einem Überholmanöver die Kontrolle über das Fahrzeug verloren.
Damit das Bündnis Zukunft Österreich nun nicht lange ohne Frontmann dasteht, wurde Stefan Petzner (er und Haider waren laut eigenen Aussagen beste Freunde, er war seit 2004 persönlicher Sprecher von ihm, zuletzt Generalsekretär) bei einer Vorstandssitzung in Wien zum Nachfolger von Jörg Haider gewählt.
“Es sind sehr große Schuhe, aber ich werde gehen, nicht fallen” – Stefan Petzner nach seiner Ernennung zum neuen Parteichef des BZÖ
Alle ausländischen Medien berichteten vom Unfalltod des Kärntner Landeshauptmannes. derStandard.at hat diese hier gesammelt und veröffentlicht.
Und auch wenn Haiders Tod immer noch das Titelthema aller Nachrichtenhomepages und Blogs ist, hat sich u.a. derStandard.com dazu entschlossen, die Kommentarfunktion zu jenen Themen zu deaktivieren.
Aufgrund der großen Anzahl an pietätlosen Postings sieht sich derStandard.at gezwungen, zu diesem Thema ausnahmsweise kein Forum einzurichten.
Meine Meinung zu Kommentaren und Einträgen
Auch ich habe überlegt, ob ich denn für diesen einen Eintrag die Kommentarfunktion wegschalten sollte. Ich wusste, dass Haider der wohl umstrittenste Politiker Österreichs war, und dass sich hier im Web 2.0 genug radikal linke als auch radikal rechte Menschen tummeln. Und dass Pietät gerade zu einem solchen Thema oftmals nicht vorhanden ist, habe ich befürchtet, einfach nur geschmacklose Kommentare zu bekommen. Schließlich habe ich mich dagegen entschieden, da dies nicht dem Konzept des Web 2.0 entspräche. Aber ich distanziere mich hiermit noch einmal ausdrücklich von allen Kommentaren und betone erneut, dass man vom Politiker halten könne was man möchte, dass der Tod eines Menschen – egal ob er nun mit überhöhter Geschwindigkeit selbst Schuld war, oder nicht – tragisch ist. Wenn man das menschliche Leben nicht genug achtet, und einen Unterschied zwischen Menschen macht, stellt man sich vielleicht sogar auf jene Ebene, desjenigen, über dessen Tod man sich freut.
Ich war übrigens beeindruckt von der Interesse an meinem Artikel. Und jeder mir bekannte Politblog in Österreich und Deutschland berichtete ebenfalls darüber. Überraschend und ebenso erschreckend, wie viele persönliche Blogs, Blogs über Gott und die Welt, es nötig fanden, ihre “Freude” über den Tod des Rechten in Form von niveaulosen Witzen, oder pietätlosen Einträgen zum Ausdruck brachten. Traurig, wenn wirklich so viele so denken.
Letzte Kommentare