Beatrix Karl, kritisch betrachet

Eines kann er nicht, der Pröll. Etwas geheimhalten. Und so wissen die Medien schon alles, was der Vizekanzler erst im Laufe des Tages verkünden wollte: Beatrix Karl wird der neue Johannes Hahn. Und jetzt die Fragen: Wer? Warum?  Was heißt das nun? Mal sehen.

Johannes Hahns Abschied war gekrönt von den sich von Wien aus ausbreitenden #unibrennt-Protesten, die z.B. in Deutschland schon zur Reformbereitschaft führten, während in Österreich irgendwie einfach nur Zeit geschunden wurde.  Es war kein glücklicher Abschied für ihn, und es war auch keine gute Amtszeit. Er war zwar eine Steigerung gegenüber Liesl Gehrer, aber ein Stein wäre hier schon eine Steigerung gewesen.

Wer?

Jetzt hat sich also Josef Pröll für Beatrix Karl entschieden. Für mich erlangte sie Bekanntschaft, als sie ÖAAB-Generalsekretärin wurde. Nebenbei wurde sie schließlich auch zur ÖVP-Wissenschaftssprecherin ernannt und trat deswegen schon bei den Gesprächen rund um die #unibrennt-Proteste auf. Außerdem ist sie Uni-Professorin. Und das aktuell Wichtigste: Sie ist Steirerin.

Warum?

Natürlich ist es schwer, einen Wissenschaftminister zu finden. Wenn man mit zu sehr beschränktem Budget (dank Finanzminister Pröll) zu kämpfen hat, ist es  schwer, Sympathiepunkte zu sammeln. Und wer rennt schon gerne ins offene Messer? Warum also nun Karl? Unter anderem, weil sie Steirerin ist. Eine Steirerin in der Regierung, und das im Jahr der steirischen Landtagswahl, wo es vielleicht sogar möglich ist, den Landeshauptmann für die VP wieder zurückzuerobern. Man könnte also sogar annehmen, dass sie, wäre sie z.B. Oberösterreicherin, nicht Wissenschaftsministerin geworden wäre. Das soll hier auch beschränkter Vorwurf auf die VP sein, denn auch die SPÖ agiert leider so.

Dass sie nebenbei auch noch Uni-Professorin ist, ist natürlich auch ein gutes und wichtiges Detail. Außerdem ist sie relativ jung (42 Jahre sind für Politiker … nichts!), und sozusagen ein halbwegs unbeschriebenes Blatt.

Was heißt das nun?

Beatrix Karl ist frisch, neu. Daher kann man (ich) jetzt auch noch nicht wirklich über sie urteilen. Dass die Medien sie als liberal hinstellen (ist das bei der VP nicht … ähm … verboten?), und sie Verständnis für die #unibrennt-Proteste hatte (anstatt Häme), macht sie mir so auf die Schnelle etwas sympathisch.

Man kann also sagen, dass Josef Pröll eine sinnvolle und verständliche Wahl getroffen hat. Dass es mit seinem Wunsch, Rektoren in dieses Amt zu hieven, nicht geklappt hat, ist wiederum auch verständlich. Mal sehen, wie sich Beatrix Karl bei den Hochschuldialogen schlagen wird. Nur frage ich mich, ob man dafür wirklich 3 Monate braucht. Oder passt es jetzt einfach besser, nachdem der Termin für die Steiermarkwahl feststeht? Man weiß es nicht.

Zumindest wünsche ich mir einfach mal, dass es im Wissenschaftsressort endlich besser wird. Nach all den Jahren der Flaute.

photocredits: Kurier

EDIT: Und zum Claudia Schiffer-Thema

Mit einem muss ich zu Beginn gleich anfangen: Sie sieht nicht wie Claudia Schiffer aus. Das will ich ihr nicht zum Vorwurf machen, sind wir doch in der österreichischen Politik doch sehr, sehr selten mit schönen Menschen verwöhnt. Aber das tut ja hiermit nichts zur Sache.

Darauf gekommen bin ich, als ich das Twitpic bei Svejk sah. Selbst hätte ich mir darum keine Gedanken gemacht und ich möchte auch nicht, dass man daraus schließt, dass ich finde, Beatrix Karl sei hässlich. Sie ist es eindeutig nicht, aber zu einer Claudia Schiffer, wie sie in der überaus qualitativ hochwertigen Zeitung ÖSTERREICH bezeichnet wird, fehlt ihr eben doch etwas.

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10 Antworten zu „Beatrix Karl, kritisch betrachet“


  1. 1 Christian Klepej 25. Januar 2010 um 11:18 vormittags

    mein lieber Dominik, keine angst, das liberale ist in der övp nicht verboten. zum wichtigen: deine »betrachtung« gefällt mir im wesentlichen, weil sie im grossen und ganzen recht fair ausgefallen ist.

    anmerken darf ich, dass ich – als jemand, der lieber »stundenten« als »studierende« sagt (was selbstredend ein schlichter, meinem alter geschuldeter anachronismus ist ;) , der wenig wert auf binnen-buchstaben legt, der »unterstrich_innen« gar nicht schätzt, usw. usf. -, nie im leben drauf kommen tät, einen politiker auch nur einen moment (laut und niedergeschrieben) nach seinem aussehen zu beurteilen*. und dieses »einen politiker« beinhaltet (in meiner welt) eben auch »eine politikerin«.

    ein ganzer (erster!) absatz, der zwar »nichts zur sache tut« aber inhaltlich wenig anderes verlauten lässt, als dass Trixi Karl »kein schöner Mensch« sei, leitet deine kritische betrachtung ein. und macht die ganze damit dann doch ein bisschen unwürdig.

    ich bleibe natürlich dabei, dieser dein text gefällt mir ansonsten; wünschen darf ich mir, einmal in einer welt leben zu dürfen, in der es vielleicht das eine oder andere binnen-i weniger gibt, die aber dafür auf den reflex, eine frau in einer führenden position zuallererst nach ihrem aussehen zu beurteilen, zu vergessen in der lage ist.

    zu Beatrix Karl selbst kann ich wenig sagen. ich kenne sie zu gut, als dass ich hier besonders objektiv sein könnte. persönlich hätte ich gerne mehr solch kompetenter, intelligenter, sympathischer … und liebenswürdiger menschen an zentralen schaltstellen, wie es die designierte wissenschaftsministerin einer ist.

    ein lieber gruss aus graz, christian

    * ich gehe davon aus, dass du das nicht tust. der text tut es. ein wenig zumindest ;)

    ps. unkorrigiert gepostet

    • 2 Dominik 25. Januar 2010 um 11:32 vormittags

      Hey Christian!

      Vielen lieben Dank für deinen umfangreichen Kommentar. Du hast Recht. Den wichtigen ersten Absatz für diese dumme Debatte zu verschleudern war falsch, und ich habe deshalb auch den Text etwas editiert.

      Ich wollte (und habe im Geiste) Beatrix Karl nicht nach dem Aussehen beurteilen. Das steht mir nicht zu. Sie ist eindeutig nicht hässlich, aber aufgrund Svejks Twitpic darauf aufmerksam geworden, wollte ich einfach nur schreiben, dass ÖSTERREICHS Einstufung als “Claudia Schiffer” eben doch etwas übertrieben war (Schiffer galt jahrelang als das Nonplusultra der weiblichen Schönheit, wer weiß warum?). Mir ist das Aussehen ehrlich herzlich wurscht, solange sie gut arbeitet und in diesem wirklich wichtigen Ressort endlich mal etwas Neues wagt.

      Und so wie du Frau Karl beschreibst, scheint sie wirklich eine nette Persönlichkeit zu sein. Mal etwas Neues in der Politik, nicht wahr? :D Das macht mich nun noch interessierter, wie die Arbeit von ihr aussehen wird.

      Ansonsten: Vielen Dank für das Lob und die wirklich wichtige und angebrachte Kritik!

      Liebe Grüße aus dem eisig kalten St. Pölten, Dominik

  2. 3 haubentaucherat 25. Januar 2010 um 12:02 nachmittags

    ich hätte da eine etwas schärfere kritik: nämlich die, dass du de facto (noch) nichts weißt über sie, aber trotzdem “kritisch betrachtest”. was genau? dass sie steirerin ist? na geh. dass sie auf uni-prof ist? echt? also: gib der frau zeit und schreib dann eine fundierte auseinandersetzung. das spart uns allen zeit. danke.

    • 4 Dominik 25. Januar 2010 um 12:06 nachmittags

      Meine Betrachtung bestand in Wesentlichen darin: Woher kenne ich sie bereits, wie trat sie mir bisher in Erscheinung, und das war eben bei TV-Diskussionen, bei #unibrennt etc.

      Sobald sie mit ihrer Arbeit begonnen hat, und erste Ergebnisse sichtbar sind, wird es natürlich eine Folgeeintrag geben, mit dem Titel “Beatrix Karl. Eine fundierte Auseinandersetzung” :)

      Dir auch danke!

  3. 5 haubentaucherat 25. Januar 2010 um 1:14 nachmittags

    das mach mal! danke für deine besonnene reaktion ;-)

  4. 6 gernot 26. November 2010 um 3:03 nachmittags

    Na auf den Eintrag sind wir aber mal alle sehr gespannt…

  5. 7 blablabal@hotmail.com 24. Januar 2011 um 8:29 nachmittags

    Schlechte Prognose wenn man sich das ein Jahr später anschaut. :P


  1. 1 Beatrix Karl-Rundschau « Aus dem Hollerbusch Trackback zu 26. Januar 2010 um 11:48 vormittags
  2. 2 Uni brennt glimmt weiter Trackback zu 31. Januar 2010 um 10:53 vormittags
  3. 3 morgen.update #170310 « POLILOG Trackback zu 17. März 2010 um 8:01 vormittags

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