Aktiv werden … einer der wichtigsten Punkte der zwei Vorträge, die ich gestern auf dem Bock Ma’s-Festival von Klaus Werner Lobo und Ute Bock mitnahm. Und natürlich kam dann immer die Frage, wie man nun jetzt aktiv werden kann. Ich habe schon vor ein paar Tagen meine erste Aktion gestartet und schreibe nun, was sich seither zugetragen hat.
Im Jahresbericht des Bundesgymnasiums Gmunden des heurigen Jahres fand ich einen Text eines Schülers der 7. Klasse. In diesem schreibt er über einen Türsteher eines Gmundner Lokals, welcher einen Gürtel mit Reichsadler und Hakenkreuz trug. Weiters schreibt er von Missinformation durch die Polizei (“[...], dass es ganz legal sei, ein Hakenkreuz zu tragen, denn der Besitz ist in Österreich ja erlaubt.”). Nachdem er selbstständig Rechtsinformationen einholte und noch einmal mit der Polizei sprach, erklärte nun eine andere Polizistin, dass dies natürlich eine falsche Auskunft war. Aber auch, dass man nicht unbedingt Handlungsbedarf sieht. Man solle einfach anrufen, sollte man den Türsteher wieder einmal mit solche einem Symbol an der Kleidung antreffen.
Mir fiel, nachdem ich lange Zeit nicht in besagtem Lokal war und selbst noch nie in Kontakt mit dem Türsteher kam, dies zum ersten Mal vor einer Woche auf. Und wenn ich mir denke: Seit wie vielen Monaten ist die Polizei informiert? Was tun, gegen einen Barbesitzer, der einen solchen Türsteher duldet?
Deshalb gründete ich auf Facebook eine Gruppe. Dies geht am Einfachsten und lässt sich auch rasend schnell verbreiten. Zu meiner Überraschung war die Zustimmung relativ groß, und so sind nun schon mehr als 150 Menschen Mitglied in dieser Gruppe. Für mich, ja … ist dies ein Erfolg.
Hikmet Kayahan, eine Web 2.0-Bekanntschaft, die ich nur ein einziges Mal (auf der Iran-Solidaritätsdemo) von weitem sah, meinte zu mir, dass das Tragen nationalsozialistischer Symbole allein schon eine Straftat sei. So weit hatte ich nicht gedacht. Ich wollte, dass er seine Anstellung als Türsteher verliert. Aber aufgrund der Tatsache, dass er unnachgiebig seine Symbole präsentiert, wäre es wohl am Besten, die Polizei würde handeln.
Jetzt habe ich natürlich eine Frage an alle, die sich etwas im Umgang mit der Polizei auskennen:
Ist es wirklich das Beste, die Polizei anzurufen, wenn man den Türsteher mit diesen Symbolen sieht, oder hilft eine Anzeige am hellichten Tag ebenso?
Denn ich werde höchstwahrscheinlich dem Türsteher nicht zu nahe kommen wollen. Und wahrscheinlich auch seinen Freunden.
Aktuell bekomme ich auf Facebook Nachrichten von Menschen, die einfach nichts daran finden, dass ein Türsteher in ihrem scheinbaren Stammlokal aufpasst. Das soll jetzt nichts über ihre mögliche Gesinnung aussagen, aber dass sie mir zum Vorwurf machen, dass ich mit meiner Gruppe dem Lokal schädige, finde ich mal wieder vollkommen typisch. Der Täter (der Türsteher) wird zum Opfer. Und ich sozusagen zum Täter.
Aber mit diesem Täter/Opfer-Wechselspiel muss ein Gutmensch, wie ich es scheinbar bin, wohl oder übel leben. Und das werde ich ja auch. Und jetzt würde ich mich über eure Meinungen, eure eigenen Erlebnisse und Hilfestellungen freuen!
UPDATE:
Der Geschäftsführer des Lokals hat mich heute zu einem persönlichen Gespräch eingeladen, um den Sachverhalt zu klären. Dieser Einladung werde ich (aber gemeinsam mit einem Freund) nachkommen. Bis dahin ist die Facebook-Gruppe auf “geheim” und kann so nicht mehr via Suche gefunden werden. Weitere Schritte werden im Anschluss überlegt.
Das öffentliche Tragen des Hakenkreuzes außerhalb eines antifaschistischen oder wissenschaftlichen/musealen Kontextes ist ein Verstoß gegen das Verbotsgesetz. Bei einer erstatten Anzeige muss die Polizei tätig werden.
Soviel zur Theorie. In der Praxis weiß ich, dass die ehemalige Gendarmerie, also die Polizei am Land, das eher nicht tut…
Was du am besten machst? Die Sache fallen lassen. Ich bewundere ja dein Engagement, aber ein bisschen sollte man über die möglichen Resultate doch nachdenken. Meinst du etwa, sie sind dahingehend, dass der rechtsextreme Türsteher nach einer Anzeige nicht nur sein Hakenkreuz, sondern auch seine Gesinnung beiseite legt? Eher unwahrscheinlich – im Gegensatz zum umgekehrten Fall, nämlich dass sich diese durch deine Aktion noch weiter im Hirn dieses verquerten Mannes verfestigt und sein Hass auf “die Linken”, die ihm die Anzeige eingebrockt haben, weiter wächst.
Wenn man will, dass sich Menschen ändern, sollte man hierfür niemals den Weg der Gewalt wählen. Staatseingriffe sind aber nun mal nichts anderes als das, vor allem wenn sie einen Mann dazu bewegen sollen, irgendeinen dummen Gürtel abzulegen, nicht aber die Scheuklappen, die dessen beschränktes Denken erst ermöglichen.
Von daher wäre es vielleicht angebracht, mit dem Typ erst einmal darüber zu reden, warum er sich dazu veranlasst sieht, nationalsozialistische Symbole zu tragen. Das erfordert natürlich um einiges mehr an Mut als das Gründen einer Facebook-Gruppe, aber im Notfall kannst du ja dein Handy griffbereit halten.
Die Sache fallen lassen? Mir war ja nicht mal bewusst, das es solches Aufsehen erregen würde. Ich war einfach nur überrascht, dass selbst nach der Geschichte im Jahresbericht sich rein gar nichts verändert hatte. Ich will einfach nicht, dass vor der Tür eines der wenigen Gmundner Lokale ein Typ mit eben solchen Symbolen steht. Warum soll ich das ganz einfach akzeptieren? Dass ich seine Gesinnung nicht … ähm, verändern kann, weiß ich. Meine Fähigkeiten sind eben begrenzt. Und sollen “Gutmenschen” auf Anzeigen verzichten, nur damit die Rechten ihren Hass gegen die Linken nicht verfestigen? Das ist doch auch bitte ein kleines bisschen fragwürdig, diese Ansicht!
Und ja. Das erfordert wahrlich mehr Mut, mit ihm zu reden. Und vielleicht wird beim Gespräch mit dem Lokalbesitzer auch der Türsteher anwesend sein (und zur Sicherheit kommt ein Aufnahmegerät mit).
Aber einfach still da sitzen und nichts tun, das konnte ich einfach nicht. Vor allem nach den Vorträgen von Klaus Werner Lobo und Ute Bock am Benefizfestival Bock Ma’s, die stets von Courage sprachen und mich wirklich richtig aufwühlten.