Der alte Dichand hat mit einem Interview in seiner hauseigenen Zeitschrift „Live“ eine Welle losgetreten. Und somit, inoffiziell und hoffentlich auf längere Sicht unerfolgreich, den Wahlkampf um das Präsidentenamt, welches wir ja erst im Herbst 2010 wieder wählen werden, eröffnet. Die Freak-Show hat also begonnen.
Sie taucht immer wieder auf: Die Frage, ob das Amt des Bundespräsidenten in Österreich überhaupt notwendig ist. Hat er doch kaum Macht, hat einzig und allein die Hoheit über das (meist ruhende) Bundesheer und kann außerdem den Nationalrat auflösen. Was er aber, seit ich mich erinnern kann, niemals der Fall. Würde man den Bundespräsidenten abschaffen, müsste der Bundesrat auch gleich mit. Aber egal. Sagen wir mal, das Präsidentenamt wäre von sehr hoher Sinnhaftigkeit.
Heinz Fischer hat, zumindest meiner Meinung nach, sehr gute Arbeit geleistet. Hätte er sich öfter einmischen sollen, ins tagespolitische Geschehen? Man weiß es nicht. Den ÖVPlern mischt er sich zu oft, den SPÖlern zu wenig. Und laut den Medien mischt er sich zumindest um einiges weniger ein als sein Vorgänger (und kurz vor Fischers Amtsantritt plötzlich verstorbene) Thomas Klestil. Aber, ich habe ihn schon ein paar Mal bei Diskussionsrunden gehört, und bin wirklich zufrieden, dass er seit 2004 dieses Amt beschmuckt. [So wie bisher beinahe 3000 Menschen in einer Facebook-Gruppe]
Der alte Dichand möchte jetzt aber bitteschön den Erwin, besser bekannt als Landeshauptmann von Niederösterreich, zum rein theoretisch höchsten Amt verhelfen. Weil er so gut hinpasse. Und sein Neffe, der Josef, soll Faymann anschließend verdrängen. Okay. Vielleicht spinnt er jetzt einfach komplett. Oder er ist sich womöglich wieder einmal seiner Macht durch das Massenmedium Krone bewusst geworden. Hätte Erwin Pröll überhaupt eine Chance? Neueste Umfragen zeigen zumindest einen rasanten Zustimmungszuwachs. Von 16% auf rund 25%. Fischer liegt aber bisher noch mit großem Abstand voran.
Auf Facebook kursiert schon eine Gruppe, die sich auch einen Herrn Alexander van der Bellen als Bundespräsidenten vorstellen könnte. Okay, die Vorstellung ist natürlich nicht schlecht. Er ist intelligent, sympathisch und bekannt. Aber einerseits würde dann all sein politisches Können verpulvert werden. Und bei einem Kampf zwischen Pröll und Fischer hätte er eindeutig keine Chance. So Leid es mir tut.
Und als wäre diese unnötig verfrühte Diskussion um das Präsidentenamt noch nicht genug, stimmen auch die rechten Parteien ein. Strache meinte kürzlich, auch die FPÖ würde einen Kandidaten liefern. Strache nannte Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer, den früheren FPÖ-Klubobmann Norbert Gugerbauer, den ehemaligen Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck oder den ehemaligen dritten Nationalratspräsidenten Wilhelm Brauneder. Die Entscheidung falle aber erst im Herbst.
Das BZÖ, Trauerverein Bärental e.V., kann so etwas natürlich auch nicht still beobachten. Denn um den Stern Jörg Haiders wieder hochzuheben, bzw. die Sonne wieder nach oben zu bringen, spricht man offen von Frau Claudia Haider als Präsidentschaftskandidatin. Und vielleicht bekommt man ja irgendein Schundblatt dazu, die beiden Haider-Töchter als Kanzlerin und Vizekanzlerin vorzuschlagen.
Ich erinnere mich noch bedächtig zurück, an die vorletzte Wahl 1998. Auch diese war durch eine hohe Anzahl an Bewerbern für dieses Amt zumindest mäßig interessant. Neben Gertraud Knoll (Ex-Superintendentin), Heide Schmidt (Ex-Liberale), (Ex-Mausilover) Richard Lugner und Herrn Nowak von Rettet Österreich trat eben Thomas Klestil an. Für seine zweite Amtszeit natürlich, wodurch die Wahl schon im Vorhinein gelaufen war. 2004 war es dann ein Zweikampf zwischen Benito Ferrero-Waldner und Heinz Fischer. [Okay, es war knapp. Aber nicht so lustig wie 1998.]
So kann man auch nur hoffen, dass die FPÖ und das BZÖ ein Einsehen über ihre eigene Unfähigkeit erlangen. Und dass, sollte es zum Showdown rund um Erwin Pröll und Heinz Fischer kommen, Herr Fischer aufgrund seines Amtsbonusses am längeren Ast sitzt.
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