Zwischen Integration und Parallelgesellschaft

In der ZIB 24 habe ich von einer neuen Studie zum Thema “Islamischer Religionsunterricht” erfahren. Der Islamwissenschaftler und Soziologe Mouhanad Khorchide zeigt nun in seiner Studie “Der islamische Religionsunterricht zwischen Intergration und Parrallelgesellschaft: Einstellungen der islamischen ReligionslehrerInnen an öffentlichen Schulen”, wie die Einstellungen einiger Religionslehrer sind.

Radikale Einstellungen islamischer Religionslehrer*

Demnach lehnen 22% der 199 Befragten (von rund 350 Religionslehrerin insgesamt laut ZIB24) “die Demokratie ab, weil sie sich mit dem Islam nicht vereinbaren lässt.” 28% sehen einen “Widerspruch zwischen Muslim und Europäer sein.” Ein weiteres Detail der Studie, welches im Beitrag auf ZIB 24 verschiegen wurde, ist, dass 37% der aktuell tätigen Religionslehrer keine theologische, 41% keine pädagogische Ausbildung vorweisen können. 

Für mich sind das erschreckende Ergebnisse. Österreich ist das erste Land in der EU, welches den islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen eingeführt hat. Diese Tatsache empfinde ich als extrem lobenswert. Ich bin ein großer Verfechter der Religionsfreiheit. Aber dass viele (zwischen 14 und 17 Prozent) der Befragten meinen, dass der Islam verbiete an Wahlen bzw. der österreichischen Kultur teilzunehmen, oder sie lehnen die österreichische Verfassung ab, weil sie im Widerspruch zum Islam steht, zeigt, dass rund ein Fünftel aller islamischen Religionslehrer – meiner Meinung nach – auf gar keinen Fall Kinder und Jugendliche unterrichten sollen.

Aufmerksam gemacht wurden alle Medien durch die aktuelle Titelstory des heute erscheinenden Falter. Scheinbar wird die oftmals belächelte, aber meiner Meinung nach absolut hochwertige “Stadtzeitung” zum Aufdecker der Nation. Und das im Gegensatz zu den oft selbstbenannten Aufdeckern aus der Boulevardpresse. Die Studie wurde demnach schon 2008 fertiggestellt und ist ab Februar 2009 in gedruckter Fassung käuflich zu erwerben.

Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), ließ sich im ZIB24-Interview zu wenig Aussagekräftigem hinreißen. Sollte man offensichtliche Hinweise bekommen, würde man den/die LehrerIn natürlich entlassen. Aber aufgrund der Anonymität dieser empirischen Studie kann man jetzt nur “besinnlich und seriös” die Studie durcharbeiten und an der Veränderung arbeiten. Der Falter beschreibt die Gründe wie folgt: Als 1982 der islamische Religionsunterricht in Österreich eingeführt wurde, gab es im Land keine qualifizierten Lehrkräfte, dafür wurden Religionslehrer aus der Türkei “importiert”. Erst seit 1998 gibt es die Islamische Religionspädagogische Akademie (IRPA). Khorchide erklärt dazu in seiner Studie, dass die zweite Generation der Religionslehrer schon stärker mit Österreich verbunden sei.

Von „besserer Aufsicht“ (Grüne) über „eingreifen“ (ÖVP) bis „sofort suspendieren“ (FPÖ) und „Ausweisung von Lehrern“ (BZÖ) reichten die Stellungnahmen aus den Parteibüros.*

Ich bin gespannt, wie diese Geschichte nun weitergeht. Wie reagiert das Unterrichtsministerium (bisher forderte es nur einen umfassenden Tätigkeitsbericht)? Und wie will die Islamische Glaubensgemeinschaft weitere Aktionen in Angriff nehmen? Ich persönlich hoffe nur, dass bald kein fundamentaler Religionsunterricht mehr in Österreich stattfinden wird (ob es diesen auch im römisch-katholischen, bzw. evangelischen Religionsunterricht gibt, kann ich nicht bewerten, da ich selbst stets nur sehr liberale LehrerInnen hatte; aber ich denke, dass es auch hier einige schwarze Schafe gibt)

Weitere Informationen und Quellenangaben:
Islam-Lehrer als Problemfall – diePresse.com (*)
Islam-Lehrer an Österreichs Schulen teils Fanatiker – diePresse.com
Die Islamlehrer – Falter.at
Anas Shakfeh im Interview – Falter.at 
Islamischer Religionsunterricht – religion.orf.at

5 Antworten zu „Zwischen Integration und Parallelgesellschaft“


  1. 1 ME 29. Januar 2009 um 1:47 vormittags

    Nachdem Trackbacks auf diesen Artikel nicht funktionieren, hier ein Auszug zu meinen Gedanken hierzu:
    Ich meine, dass jeder Religionsunterricht per se “fundamentalistisch” in diesem Sinne ist. Ich meine auch das er in der Schule nichts verloren hat. Zumindest nicht als konfessionsbezogener Unterricht…..
    mehr: http://www.lustaufleben.at/serendipity/archives/33-Religionsunterricht.html

  2. 2 Dominik 29. Januar 2009 um 1:52 vormittags

    Trackbacks müssen hier auf diesem Blog immer zuerst freigeschaltet werden.

  3. 3 ME 29. Januar 2009 um 2:46 vormittags

    Hi Dominik
    Dann wäre ein Hinweis hilfreich, sonst sieht’s so aus, als käme keiner an …
    lg


  1. 1 Religionsunterricht ? - LebensWellenReiter Trackback zu 29. Januar 2009 um 1:40 vormittags
  2. 2 Die subtile Manipulation einer Masse Trackback zu 11. Dezember 2009 um 5:22 nachmittags

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