POLILOG

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… und ein frohes neues Jahr

Ich wollte mehr bloggen. In letzte Zeit vor allem. Aber stattdessen habe ich vielmehr das Leben mit meinen Freunden genossen. 

Hiermit möchte ich allen Lesern von POLILOG einen guten Jahreswechsel und ein wundervolles Jahr 2009 wünschen. Auf das man auch ins nächste Jahr mit einer Ladung Träume und Projekte einzieht.

Als Jahresabschluss habe ich mich für Georg Danzers „Loch’ amoi“ entschieden. Ein großartiges Lied (und mein bevorzugtes Danzer-Lied). Feiert heut’ alle schön brav, okay?

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Frohe Weihnachten

Die Leute jammern und jammern. Über überfüllte Einkaufszentren, dass von der Zeit der Stille keine Rede mehr sein kann, und dass Weihnachten sowieso nur ein Konsumfeuerwerk sei. Ich kann solchen Jammerern nur sagen: Man kann sich unendlich viel einreden. Ich habe nie wirklich Stress bekommen und irgendwann kam auch die Weihnachtsstimmung in mein Leben. 

Heute feiert man also Weihnachten, und hiermit wünsche ich allen Lesern des Blogs POLILOG – Politik in Österreich ein wundervolles Weihnachtsfest und eine schöne Zeit mit der Familie, der Verwandschaft und Freunden. Auch ich werde mal wieder viel Zeit mit meinen Freunden und Familie verbringen und verabschiede mich nun höchstwahrscheinlich bis zum 27. Dezember.

Anschließend kann man sich dann auf einen möglichst interessanten politischen Rückblick zum Jahresende freuen. Nur mal so als Vorwarnung.

[Bildquelle: krisdecurtis]

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Johannes Hahn sieht es locker

In der aktuellen ZIB 24 wurde das Thema aufgegriffen, das immer weniger Studierende an den Universitäten zu finden sind, währenddessen die Fachhochschulen weiter starken Zulauf spüren. Den Rückgang bei den Uni-Studierenden erklärte Wissenschaftsminister Johannes Hahn ganz einfach:

Bis vor kurzem haben sich eben Studierende durch das Studium gestresst, da das Studieren ja auch mit einem finanziellen Aufwand, aufgrund der Studiengebühren, einherging, und man so damit schnell fertig werden wollte. Durch die Abschaffung würden sich die Studierenden nun Zeit lassen.

Den genauen Zusammenhang verstehe ich nun eigentlich nicht. [Die vorhergehenden Worte wurden von mir zusammengefasst, vielleicht habe ich die wichtigste Pointe vergessen] Die Universitäten befürchten eben nun, dass die Forschung immer mehr an Bedeutung verliert. 

Ein Grund, warum ich mein Publizistikstudium nach einem Jahr beenden werde, ist ein Zitat aus meiner zweiten Vorlesung:

„Das Studium ist nur eine Vorbildung, wer eine Ausbildung haben möchte, sollte auf eine Fachhochschule gehen.“

Und nachdem beides drei Jahre meines Leben in Anspruch nimmt, werde ich mich wohl für die Ausbildung entscheiden. Ich will nicht forschen, sondern arbeiten. Und ich kann mir leicht vorstellen, dass sich immer mehr Menschen genau dies denken.

Aber wenn es nach Hahn geht, braucht man sich um die Unis keine Sorgen machen. Es ist alles im grünen Bereich, durch geburtenmäßig starke Jahrgänge soll schon bald wieder ein Aufschwung kommen. Mal sehen.

[Bildquelle: DiePresse.com]

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Offener Brief an die U-Bahn-Mitfahrenden Mittag um zwei, 17.12.2008

Ein Gastbeitrag von Angela Magenheimer

Da saßen Sie also in der U4 heute Mittag um zwei und es war bei der Station Kettenbrückengasse.

Und da sehen Sie, wie vier Männer beginnen, auf einen einzelnen Mann einzuprügeln. Sie sehen, wie die vier Männer den einen Mann bei der Station Stadtpark aus dem Waggon zerren wollen – was ihnen nicht gelingt. Sie sitzen also drei Stationen lang in einem U-Bahn Wagen und tun – nichts. Einer schlug übrigens mit einem Stock zu, haben Sie das gesehen? Doch eine Frau tat was, die Frau mit dem Kinderwagen beschimpfte den verprügelten Mann, wie er so etwas machen kann, in der U-Bahn vor allen Leuten. Haben Sie die gehört?

Was ging Ihnen durch den Kopf in den fünf Minuten, die es gedauert hat? Haben Sie aus dem Fenster geschaut, in die Zeitung geglotzt, die Augen zugemacht? Was haben Sie sich in den fünf Minuten gedacht? 

Er wird es schon verdient haben?
Lieber nicht einmischen?
Da wird schon was dran sein?

Verdammt.

Der Mann, dem das heute passiert ist, ist schwarz. 
Hat seine Hautfarbe etwas mit Ihrem Blick zum Boden zu tun?

Ich spucke auf jeden von Ihnen gespendeten Cent, wenn Sie sich in so einer Situation, in der ein Mensch in Not ist und dem Gewalt angetan wird, abwenden. Und verdammt, Sie hätten viel tun können. Es beginnt bei lautem Schreien bis zum Verständigen der Polizei – dazwischen eine Palette von Interventionsmöglichkeiten.

Der Mann, dem das heute passiert ist, ist schwarz. Er ist Italiener, Vater von zwei Kindern, Ehemann, EDV Spezialist in
einer großen Firma, seit fünfzehn Jahren in Österreich. 

Hätten diese Informationen etwas an Ihrem Verhalten geändert, wenn Sie die im Vorfeld gehabt hätten?

Ja?
Nein?

Scheißegal!

Wann greifen Sie ein?
Welche Voraussetzungen braucht es für Sie?

Wenn das Messer schon drinnen steckt?
Wie stark muss der Mann bluten?
Wenn Sie sein Leumundszeugnis gesehen haben?
Wenn er eine andere Hautfarbe hat?
Wie stark muss der Mann bluten?

Vier Männer umringen aus dem Nichts heraus einen Mann in der U-Bahn und beginnen auf ihn einzuprügeln. Das reicht, das sehen Sie, Sie sind ZeugIn.

Ich fordere die ZeugInnen dieser Gewalttat, und alle zukünftigen ZeugInnen solcher Gewalttaten, auf, sich einzumischen und hinzuschauen. Ich erwarte kein Heldentum, ich erwarte Zivilcourage – von Ihnen!

Angela Magenheimer

[Da offene Briefe nur offen und öffentlich sind, wenn sie verbreitet werden - bitte ich um selbiges.]

Angela Magenheimer ist Obfrau des Vereins „Ehe ohne Grenzen“. Vielen Dank an , die mich auf diesen offenen Brief aufmerksam gemacht hat.

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Mario Canori – FP-Spitzenkandidat in Kärnten

 

Die FPÖ hat am Montag Mario Canori als Spitzenkandidaten für die Kärntner Landtagswahl am 1. März 2009 präsentiert. Damit wurde zwei Tage vor Weihnachten bekanntgegeben, mit wem die Freiheitlichen in Österreichs südlichstem Bundesland ins Rennen um das Erbe des tödlich verunglückten Landeshauptmanns Jörg Haider gehen wollen. „Er ist die beste Persönlichkeit“, sagte Bundesparteichef Heinz-Christian Strache vor Journalisten in Klagenfurt.

Der ehemalige Klagenfurter Vizebürgermeister und nunmehrige Präsident des Fußball-Bundesligisten SK Austria Kärnten wurde in den vergangenen Wochen unter der Hand öfter als BZÖ-Spitzenkandidat für die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl in Klagenfurt genannt. Nun tritt er überraschend für die FPÖ auf Landesebene an. [derstandard.at]

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Eva Lichtenberger im Interview. Deine Frage!

Nach dem Interview mit dem SJ-Vorsitzenden Wolfgang Moitzi, habe ich nun Kontakt aufgenommen mit Eva Lichtenberger, einer EU-Abgeordneten der Grünen, welche auf Facebook stets bereit für Diskussionen zu verschiedensten Themen ist. Und gerne würde ich dieses Mal auch Fragen meiner Leser stellen.

Also:

Was würdest du Eva Lichtenberger fragen?

Bitte die Frage einfach hier als Kommentar posten, mir eine Mail schicken, oder natürlich auch per Twitter. Ich freue mich auf viele interessante Fragen!

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Kardinal Schönborn: Über Immigrationspolitik und Minarette

Kardinal Christoph Schönborn stellte sich vorhin im ORF 2 den Fragen von Waltraud Langer und Michael Fleischhacker (dem Chefredakteur der Tageszeitung „Die Presse“) in der Pressestunde. 

Ich habe leider erst etwas zu spät eingeschaltet, aber glücklicherweise habe seine Standpunkte zum Thema Immigrations- und Asylpolitik. Kardinal Schönborn betont, dass Österreich auf Immigranten aus dem Ausland angewiesen ist. Als Beispiel nannte er die Versorgung Österreichs im Sozial-Bereich, welche ohne die Zuwanderung nicht mehr zu bewerkstelligen sei. 

Überrascht hat mich auch die Meinung des Kardinals zum Thema Minarette in Österreich. Nachdem in Österreich die freie Religionsausübung gilt, besteht kein Grund, einen Bauverbot für Minarette zu verhängen. Der Islam ist eine in Österreich anerkannte Religion, und deshalb haben sie auch das Recht, Glaubenshäuser zu bauen.

Mich überrascht der freie Umgang von Kardinal Schönborn [EDIT: Natürlich meine ich hier die Meinung des Kardinals zu den Themen Immigration und Minarettenbau; seine kirchenpolitische Meinung hingegen ist ohne Frage veraltet und reformwürdig. Ab unter Reformunwilligkeit leidet die Kirche ja schon seit langem]. .

Bildquelle: www.signoflife.com

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ORF.at – Anlaufstelle für Idioten


Manchmal, um einen schnellen Überblick zu erhaschen, sehe ich auf die ORF.at-Seite und klicke mich da zwischen Politik und Futurzone hin und her. Und manchmal bleibe ich auch auf Nachrichten hängen, über die die Leser diskutieren dürfen.

Und ich bin jedes Mal wieder geschockt, wie viel bodenlose Dummheit, wie viel braune Ewiggestrige, wie viele schrecklich Niveaulosigkeit sich da – Tag für Tag – finden lässt.

Jedes Mal, wenn ich mich wirklich mal weiter hindurchklicke, möchte ich am Liebsten kotzen und mir wünschen, dass es solche Menschen doch heutzutage bitteschön nicht mehr gibt. Aber Dummheit und blinder Hass stirbt leider wohl nie aus.

Deswegen: Eine neue ORF-Seite (davon spreche ich schon seit langem), und Diskussionsforen, die einer strikten Netiquette unterliegen. Wer dagegen verstößt, wird kommentarlos gelöscht. Klingt nach Zensur, aber genau das soll es ja auch sein. Diese Leute sollen nicht auch noch die Homepage des öffentlich-rechtlichen Fernsehens dazu missbrauchen, ihren Mist zu verbreiten.

Vielleicht bekommt dieses Thema in der näheren Zukunft einen eigenen großen (und umfangreichen) Blogeintrag spendiert.

Und vielleicht hat Wolfgang Lorenz ja genau das gemeint. Nicht das ganze Internet, sondern nur das ORF.at. Über den Tellerrand zu blicken, gelingt der höheren Riege des ORFs ja schon lange nicht mehr.

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Rettet die Grünen … Eine Partei schlittert vorbei

Es ist ruhig. Irgendwie fast zu auffällig ruhig. Nachdem die Koalition unter großem Tamtam in Rekordzeit entstand, beginnt die Regierung nun also zu arbeiten. Scheinbar. Und die Oppositionsparteien, mit veränderter Machtverteilung, werden nun wieder alles daran setzen, um jedwede Arbeit zu kommentieren. 

Bundeskanzler Werner Faymann und Außenminister Michael Spindelegger sind nun von ihrem ersten EU-Gipfel zurückgekehrt, mit einem vielseits gelobten (vor allem aber auch eigengelobten) Konjunkturpaket und einem Plan für die Rettung der Welt (bzw. der Natur und somit unserem eigenen Lebensraum). Andrea Kdolsky legte der Ärztekammer zum Abschied einen neuen (und nicht positiv aufgenommenen) Gesetzesvorschlag vor, welcher nun vom neuen Gesundheitsminister Alois Stöger weiter behandelt werden muss. Und die ehemalige Außenministerin Ursula Plassnik bleibt nun doch noch als Beamtin dem Ministerium erhalten. Es geht also rund. Für wirklich große Ankündigungen reichte aber scheinbar die Zeit noch nicht. Nur Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll spricht von der Absetzbarkeit für bestimmte Spenden und Kanzler Faymann möchte weiter die Konjunktur stärken und Steuern einsparen. Irgendwie scheint plötzlich, seit es der Wirtschaft schlecht und der Welt abscheulich geht, das Geld keine so große Rolle mehr zu spielen. Nach beinahe einem Jahrzehnt großartiger Wirtschaftsdaten mit sinkender Arbeitslosigkeit, und steigenden Einnahmen durch Steuern, wird jetzt plötzlich das ganze Geld auf einmal rausgeworfen, so scheint es.

Was zurzeit aber das größte Aufsehen in Österreich erzeugt, ist der Werdegang der Grünen. Und das verwundert. Bis vor kurzem war es noch so, dass sich die beiden Großparteien streiten, und die FPÖ bzw. das BZÖ die Streitkultur der Großen Koalition auf den Arm nimmt und sich dabei auch noch gegenseitig bekämpft. Nur die Grünen waren, unter ihrem Stammesältesten (ob er es nun auch wirklich ist, weiß ich nicht) Alexander Van der Bellen. Doch nun ist alles anders.

Eva Glawischnig versprach wieder eine Protestpartei zu werden. Zu bürgerlich gab sich die Partei in den letzten Jahren. So glaubt zumindest die neue Parteiobfrau. Schließlich verändert sie auch noch die Linie der Partei in Sachen EU: Der Vertag von Lissabon sei nunmal eben tot. Und irgendwie wirkt alles, und wirklich alles was die Grünen zurzeit sagen und tun, wirkt so wenig durchdacht, es ist schrecklich. Und obwohl der Wahlverlust der Grünen schlussendlich eben doch nicht so riesig war, reden viele Menschen schon vom Ende der grünen Partei. Denn Umweltretter gibts auch schon in Rot-Schwarz-Blau-Orange. So richtig profilieren konnte man sich schon lange nicht mehr.

Dass nun auch noch der junge und frisch gebackene Abgeordnete zum Bundesrat, Efgani Dönmez [Blog] mit seinen Auftritten kein Fettnäpfchen auslässt, tut sein Übriges. Und so beobachtet man als politisch interessierter Österreicher zur Weihnachtszeit den Werdegang der Grünen. Das kann ja heiter werden. Mal sehen, wie dieses politische Theater weitergehen wird. Die Grünen schlittern zumindest in eine Richtung, wo nur ganz wenige sie sehen wollen (vor allem ihre Wähler).

Der Feuerhaken beschäftigt sich ebenfalls mit Efgani Dönmez in seinem Artikel „Grüne Türkenschlacht
Und ZurPolitik beschäftigt sich mit der Rolle der Grünen bei der EU-Wahl in „Europawahl 09 – Grüne, holt euch 20%

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Im Gespräch: Wolfgang Moitzi

Wolfgang Moitzi

POLILOG: Guten Tag, Wolfgang! Zuallererst möchte ich mich herzlich bei dir bedanken, dass du dir die Zeit nimmst um dieses E-Mail-Interview durchzuführen. Aber beginnen wir sogleich mit meinen Fragen: Die Nationalratswahl ist geschlagen, die Koalitionsverhandlungen beendet. Österreich soll die nächsten fünf Jahre von einer Großen Koalition regiert werden. In der Juli-Ausgabe der SJ-Zeitung „Trotzdem“ riefst du die Leser dazu auf, „Trotz alledem … SPÖ“ zu wählen. In einem offenen Brief an die SPÖ hat die SJ schon zum Regierungsprogramm Stellung genommen. Bist du nun mit dem ausverhandelten Programm zufrieden? 

Wolfgang Moitzi: Nein, von Zufriedenheit kann keine Rede sein. In den 267 Seiten findet man wenig Konkretes und auf die wesentlichen Herausforderungen finden sich keine ausreichenden Antworten. Die zentrale Frage der nächsten Jahre ist meiner Ansicht nach die Umverteilung des gesellschaftlichen Wohlstandes. Es kann nicht sein, dass in Österreich der überwiegende Teil der Steuereinnahmen von ArbeitnehmerInnen geleistet wird. Vermögen werden so gut wie gar nicht besteuert. Leider findet sich im Regierungsprogramm keine umfassende Steuerreform, die die ArbeitnehmerInnen entlastet und Vermögen stärker für den Ausbau des Sozialstaates heranzieht. Das halte ich für einen großen Fehler. 

Auch im Bildungsbereich sehe ich keine Fortschritte. Auf den Universitäten sind weitere Zugangsbeschränkungen geplant, was von meiner Seite klar abgelehnt wird. Auch ist es in einer Koalition mit der ÖVP nicht möglich, die gemeinsame Schule flächendeckend einzuführen. Für die Zukunft halte ich das aber für unausweichlich. 

Für besonders ablehnungswürdig halte ich die geplanten Verschärfungen im Asyl- und Fremdenwesen. Die Rhetorik, die hier verwendet wird, ist einem Regierungsprogramm nicht würdig, der generell negative Zugang zu Integration und Zuwanderung ist erschreckend. Die Pläne von Innenministerin Fekter, künftig das humanitäre Bleiberecht von der Bereitschaft von BürgerInnen, eine Bürgschaft zu übernehmen, abhängig zu machen, halte ich für zynisch und menschenrechtswidrig. Es braucht endlich ein Asylrecht, das auf menschenrechtskonformen und menschlichen Beinen steht.

POLILOG: Die Jugendlichen sollen ja bei der Wahl am 28. September beinahe zur Hälfte den rechten Parteien ihre Stimme gegeben haben. Woran, glaubst du, liegt das? 

Wolfgang Moitzi: In der medialen Öffentlichkeit gab es zwei Erklärungsansätze für das Wahlverhalten der Jugendlichen: die einen, die die Jugend am rechten Rand verorten und die anderen, die von einer Protestwahl gegen den Stillstand und den Streit der Großen Koalition sprechen. Beide Ansätze haben zwar Recht, denn es ist tatsächlich so, dass immer mehr Jugendliche offenbar kein Problem damit haben, Parteien zu wählen, die einen offenen rassistischen Wahlkampf führen und es trifft auch zu, dass die Große Koalition an allen wichtigen Herausforderungen in den letzten beiden Jahren gescheitert ist. Doch greifen beide Analysen zu kurz: worum es im Kern geht, ist die Frage, inwieweit Politik für Jugendliche greifbar ist und inwieweit sich Politik mit den realen Lebenswelten der Jugendlichen auseinandersetzt. Denn wenn man sich Jugendstudien näher ansieht, gibt es eine Diskrepanz zwischen dem politischen Interesse der Jugendlichen bzw. ihrer im gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt liegenden Wahlbeteiligung und der Bereitschaft, sich zu engagieren und aktiv am politischen System teilzuhaben. Das heißt, es gibt offensichtlich eine Barriere, die Jugendliche davon abhält, Politik und Demokratie mitzugestalten. Und diese Barriere müssen wir abbauen, um zu verhindern, dass junge Menschen auch bei der nächsten Wahl rechtsextreme Parteien wählen.

POLILOG: Wie zufrieden bist du mit der Jugendsprecherin und künftigen Bundesgeschäftsführerin der SPÖ, Laura Rudas? Was hat sie in diesem Wahlkampf falsch gemacht, bzw. wie hätte sie es besser machen können?

Wolfgang Moitzi: Die Zusammenarbeit mit Laura Rudas war in der Vergangenheit immer konstruktiv, auch wenn wir verschiedene Ansichten zu politischen Themen und Herangehensweisen haben. Ich erwarte mir das auch in Zukunft so. Was den Wahlkampf betrifft, so war unser Kritikpunkt schon, dass im Jugendwahlkampf wenig Inhaltliches transportiert wurde. Aber im Großen und Ganzen war der Wahlkampf schon okay, immerhin ist es der SPÖ gelungen, von Umfragewerten um 23% im Juli 2008 auf Platz 1 bei den Wahlen im September zu gelangen und das ist schon beachtlich.

POLILOG: Was hältst du vom Online-Angebot der SPÖ, „neuepolitik.at„? Orientiert sich die SPÖ mit ihren Partypics und Angeboten für das Nachtleben in Wien nicht zu sehr am Wählerfang der FPÖ bzw. des BZÖ?

Wolfgang Moitzi: Weder FPÖ noch BZÖ haben Partypics-Homepages erfunden. Dass politische Parteien versuchen, ihre Webangebote nach den Interessen von Jugendlichen zu gestalten, ist ja nachvollziehbar. Die Umsetzung ist natürlich eine andere Sache und da hätte ich mir schon mehr Interaktives gewünscht und eine stärkere Orientierung an den Lebenswelten der Jugendlichen selbst. Jugendliche wissen sehr gut, ob Webangebote nur eine peinliche Anbiederung darstellen oder ernst gemeint sind. Da halte ich aber den Auftritt der SPÖ als wesentlich gelungener als den von BZÖ oder FPÖ.

POLILOG: Das Schlagwort des Jahres, die Finanzkrise greift immer noch um sich. In verschiedenen Interviews (z.B. auf chilli.cc) sprichst du davon, dass der Marxismus gerade in Zeiten wie diesen eine Renaissance erlebt. Gibt es aber nicht genug Beispiele, dass der klassische Marxismus einfach nicht funktionieren kann? Welche wegweisenden Vorschläge kannst du nennen, um eine Alternative zum Kapitalismus und der Globalisierung zu finden?

Wolfgang Moitzi: Da muss man zu aller erst einige Dinge unterscheiden. Den klassischen Marxismus als solchen, der von heute auf morgen umgesetzt werden kann, gibt es nicht. Es gibt verschiedene Gesellschaftsanalysen, die auf den Analysen von Karl Marx beruhen und die einen hohen Erklärungswert für wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge haben. Und in dieser Tradition sehen wir uns als SJ. Um den Kapitalismus zu überwinden, was ja auch erklärtes Ziel der SJ ist, braucht es eine umfassende Analyse von gesellschaftlichen (Produktions-)Verhältnissen und diese bietet der Marxismus. Wenn du auf das Scheitern der so genannten „realsozialistischen“ Staaten im ehemaligen Ostblock ansprichst, dann kann ich dem nur entgegnen: das ist nicht der Sozialismus, den wir meinen.

Für mich ist klar, dass der Kapitalismus ein ausbeuterisches, unmenschliches System ist, das auf Ungleichheit und Profitstreben aufbaut. Eine Alternative dazu kann es durchaus geben: eine gerechte, solidarische Welt, die frei von Ausbeutung und Unterdrückung ist. Eine Alternative zur Globalisierung will ich gar nicht, wenn sie von allen gleichberechtigt mitgestaltet werden kann und zu keiner Schieflage zwischen sozialen Kräften führt. Globalisierung ist ja etwas Schönes – wenn die Welt zusammenrückt. Nur müssen alle dieselben Chancen und Möglichkeiten haben, daran teilzuhaben.

POLILOG: Auf der Demonstration „Aufstand der Anständigen“ anlässlich der geplanten Abschiebung von Arigona Zogaj und ihrer Mutter (am 6. Oktober 2007) sprach unter anderem Nationalratspräsidentin Barbara Prammer davon, dass dies in einem Staat wie Österreich nicht möglich sein dürfe. Das Regierunsprogramm der neuen Großen Koalition sieht aber in keinster Weise eine Aufweichung des geltenden, unter einer schwarz-blauen Regierung festgelegten, Asylgesetzes. Und auch auf der SJ-Homepage ist der letzte Text zum Thema Migration mit dem Dezember 2005/Jänner 2006 datiert. Verlieren hier die sozialistischen/sozialdemokratischen Politiker möglicherweise ein wichtiges Thema aus den Augen? 

Wolfgang Moitzi: Ich muss dir Recht geben, wenn du sagst, dass es der SPÖ in den letzten Jahren nicht gelungen ist, dem Thema Migration und Integration den Stellenwert zu geben, den es braucht. Migration ist eine Bereicherung für jede Gesellschaft und Asyl ist ein Menschenrecht. Das sind zwei Grundsätze, die wir uns als Grundlage für Asyl- und Integrationspolitik erwarten. Im Regierungsprogramm wird dem gar nicht Rechnung getragen, sondern es sind weitere Verschärfungen geplant. Da werden wir als SJ auch dagegen auftreten, wenn es soweit ist. So wie wir in den Monaten rund um die geplante Abschiebung von Arigona Zogaj eine eigene Initiative „Asyl ist Menschenrecht“ gestartet haben. Es kann von unserer Seite aus also keine Rede davon sein, dass wir das Thema aus den Augen verlieren.

POLILOG: Die Sozialistische Jugend forderte im Februar 2008 eine Volksabstimmung über den EU-Vertrag. Die SPÖ rückte mit ihrem berühmt-berüchtigten Brief an die Krone näher an den Wunsch der SJ, aber womöglich wird sie sich in den nächsten fünf Jahren aufgrund einer Klausel im Regierungsprogramm in einer Zwickmühle befinden. In welche Richtung sollte sich die EU entwickeln, wie soll der EU-Reformvertrag abgeändert werden, damit die SJ einer Ratifizierung der Staats- und Regierungschefs zustimmt? 

Wolfgang Moitzi: Erstens muss es ein klares Bekenntnis der EU zu einem Friedens- und Sozialprojekt geben und das sehe ich im EU-Vertrag nicht. Im Gegenteil: es ist von einer Beistandspflicht und einer gemeinsamen Verteidigungspolitik die Rede, die sich eher daran orientiert, eine dritte militärische Supermacht zu werden. Das lehnen wir strikt ab. Damit wir einem EU-Reformvertrag zustimmen, müssten die Verträge seit Bestehen der Europäischen Union grundlegend verändert werden. Denn so wie sich die EU derzeit darstellt, ist sie eine Wirtschaftsunion, die den freien Markt als Grundbaustein für ihr Wirken festlegt. Eine Initiative in Richtung einer politischen, sozialen Organisation der europäischen Staaten sehe ich derzeit nicht, also ist es auch unrealistisch, dass wir einem EU-Reformvertrag zustimmen werden. 

POLILOG: Eine Frage zur SJ itself: Wie wird sich die Sozialistische Jugend in Österreich verändern? Ist auch in dieser Organisation womöglich eine Reformierung nötig, da sich die Politik in letzter Zeit eindeutig geändert hat?

Wolfgang Moitzi: Die Sozialistische Jugend verändert sich eigentlich permanent mit den vielen jungen Leuten, die dazu kommen bzw. die SJ wieder verlassen, wenn sie älter werden. Unsere Arbeit in der SJ fußt inhaltlich auf dem 2004 beschlossenen Grundsatzprogramm. Beim letzten Verbandstag haben wir auch ein Organisationspapier beschlossen, mit dem wir einen breiten Diskussionsprozess in allen Bundesländern starten, wie wir uns als SJ weiterentwickeln wollen. Das wird sicher ein spannender Prozess, dem ich hier natürlich nicht vorgreifen will.

POLILOG: Seit Obama von „Change“ und „Hope“ zu sprechen begann, wollen plötzlich alle westlichen Länder auf der Obama-Welle mitschwimmen. Würdest du in Österreich eine Chance für einen Menschen wie Obama sehen? Wenn ja, wer könnte dies sein? Und welche Visionen für Österreich hast du persönlich?

Wolfgang Moitzi: Dass Obama eine derartige Welle an Begeisterung auslösen konnte, liegt nicht nur an Obama selbst. Es liegt vielmehr daran, dass die Leute die Schnauze voll hatten von der konservativen, aggressiven Politik der Bush-Administration. Ihm gelang es, eine gewisse Aufbruchsstimmung zu kanalisieren und jenen Bevölkerungsgruppen Hoffnung zu geben, die in den letzten Jahren belastet, nicht ernst genommen oder unterdrückt wurden. Dass es diese Begeisterung gibt, ist ein Ergebnis spezifischer gesellschaftlicher Verhältnisse, die man nicht 1:1 auf Österreich umlegen kann. Deswegen stellt sich für mich diese Frage nicht unbedingt.

Ich hoffe, dass es in Österreich ein Umdenken, was Sozial- und Integrationspolitik betrifft, gibt. Ich würde mir erwarten, dass es ein klares Bekenntnis zu Integration und einer multikulturellen Gesellschaft ohne soziale Gegensätze gibt. Dazu brauchen wir eine umfassende Veränderung der derzeitigen konservativen sozial- und wirtschaftspolitischen Gegebenheiten.

POLILOG: Und zum Abschluss noch eine sehr persönliche Frage: Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Wolfgang Moitzi: Das kann ich beim besten Willen nicht sagen. Ich werde sicher auch in zehn Jahren ein politisch denkender und womöglich auch aktiver Mensch sein, wo und was genau, sehen wir in 10 Jahren :-)

POLILOG: Vielen Dank für dieses interessante und ausgiebige Interview! Ich wünsche dir noch viel Glück mit deinem Studium und deiner Arbeit als SJ-Vorsitzender! 

Bildquelle: Wolfgang Moitzi selbst

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