Aufgrund der unzähligen Suchanfragen zum Thema “Wählerstromanalyse”, stelle ich hier die komplette Analyse zur Nationalratswahl online.
Umfassende Informationen erhält man in einem Stream-Video von ORF. Großartig hat es auch noch das für die Wählerstromanalyse zuständige SORA-Institut dargestellt.

Die in der Wahltagsbefragung erhobenen Wählermotive zeigen, dass die Regierung aus Enttäuschung und Protest verloren hat. Das zeigt sich auch in den Wählerströmen: Von der SPÖ sind 191.000 und von der ÖVP sind 213.000 enttäuschte Wähler zu Hause geblieben und nicht zu den Urnen gegangen.
Direkten Wechsel zwischen Rot und Schwarz gab es wenig, in diesem Austausch profitierte die SPÖ im Saldo mit 22.000.
Die Proteststimmen gegen die Regierung haben die Rechtsparteien für sich gewinnen können. Hierbei hat die SPÖ vor allem an die FPÖ (171.000) verloren und deutlich weniger an das BZÖ (75.000). Die ÖVP hat vor allem an das BZÖ (149.000) und in zweiter Linie an die FPÖ 86.000 verloren.
Der Austausch zwischen FPÖ und BZÖ blieb relativ gering, netto gewann das BZÖ um 16.000 Stimmen mehr als es an die FPÖ abgeben musste.
Den Grünen hat die Konkurrenz durch das Liberale Forum geschadet, sie verloren an das LIF 40.000 Stimmen oder jeden 12. Grünwähler von 2006, weiters etwa 20.000 an die sonstigen Kleinparteien. Der Wähleraustausch der Grünen mit den Regierungsparteien war bescheiden, sie konnten sich als Oppositionspartei die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung nicht „abholen“. Jeder sechste Grün-Wähler von 2006 blieb diesmal zu Hause, damit erlitten die Grünen von allen Parteien die höchsten anteilsmäßigen Verluste durch Demobilisierung. Allerdings konnten sie mit 21.000 auch einige ehemalige Nichtwähler mobilisieren. [SORA-Institut]
Auf Wikipedia wird die Methode von Wählerstromanalysen erklärt:
Wählerstromanalysen sind Aggregatsdatenanalysen, sie verwenden amtliche Ergebnisse von Stimmbezirken. Auf der Basis dieses Datenmaterials werden Modelle gerechnet, die auf jene Wanderungsströme schließen lassen, die hinter den Veränderungen zwischen zwei Wahlergebnissen liegen.
Das Verfahren zur Berechnung einer Wählerstromanalyse heißt multiple Regression. Das bedeutet, dass zum einen die aktuellen Wahlergebnisse der Parteien auf jene der vergangenen Wahl regrediert, also zurückgeführt, werden. Zum anderen wird das Wahlergebnis einer Partei bei der aktuellen Wahl mit allen Parteiergebnissen der alten Wahl in Beziehung gesetzt.
Für eine Wählerstromanalyse werden Gemeinden in homogene Gruppen eingeteilt und für jede Gruppe Regressionsgleichungen errechnet, aus welchen dann die gesamte Wählerstromanalyse ermittelt wird.
Die Idee hinter dieser Methode ist: Wenn eine Partei bei einer Wahl (z. B. Europawahl 2004) genau in jenen Gemeinden stark ist, wo eine andere Partei bei der vorhergehenden Wahl (z. B. EU-Wahl 1999) stark war, wird dies als Wählerwanderung interpretiert, d. h. viele Wähler haben zwischen diesen Parteien gewechselt.
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