Archiv für November 2007

Made In Austria?

Während in Hollywood die Drehbuchautoren ihre Griffel weglegten, um für eine bessere Entlohnung zu kämpfen, gehen nun die österreichischen Schauspieler und Regisseure auf die Barrikaden. Der Grund? Die Gebührenlüge des ORF.

Jeder, laut der nervigen Werbung, gewissenvolle Mensch zahlt für seinen Fernseher. Die sogenannten Rundfunkgebühren. Um eine Legende des Fernsehens, das Sprachrohr eines jeden Österreichers, um den Österreichischen Rundfunk am Leben zu erhalten. Pro Jahr kommen so 700 Millionen Euro an Gebühren zusammen.

Wenn man dann aber mal von ORF 1 zu ORF 2 zappt und wieder zurück, wundert man sich schon. Wo ist denn nun das Geld hingekommen? Wer verdient an diesen Millionen? Und warum sieht man kaum mehr österreichische Schauspieler in österreichischen Filmen von österreichischen Regisseuren? Jene melden sich nun zu Wort und erklären, dass es so nicht mehr weitergehen kann.

Während 2001 noch 20 eigenproduzierte Filme gesendet wurden, findet man 2007 nur mehr 12. Von den 700 Millionen Euro gelangen „nur“ 475 Millionen Euro wirklich zum ORF. Das wär ja noch relativ viel. Aber davon gibt unser herzallerliebster Rundfunksender nur 45 Millionen für Eigenproduktionen wie Serien, Spielfilme oder Dokumentationen aus. Die 225 Millionen Euro, die nicht einmal den Küniglberg zu Gesicht bekamen, landen übrigens beim Bund und den Ländern. Wo sie zweckentfremdend investiert werden.

Leider scheint es so, als wäre es den Zusehern egal, dass sie nur TV-Einheitskost vorgesetzt bekommen. Immer mal wieder CSI, Malcolm Mittendrin oder die achte Wiederholung von Charmed. Dass man sich früher über österreichische Sendungen köstlich amüsierte, scheint man schon vergessen zu haben. Ich kann den Verdruss der Schauspieler- und Regie-Gilden verstehen. Und jetzt müssten auch mal die Gebührenzahler einsehen, dass man eigentlich mehr für sein Geld erwarten könnte.

Ich zumindest würde mich wieder auf interessante österreichische Produktionen freuen. Über Vorabend-Serien, über Preim-Teim-Blockpasta, ähm, gute Filme im Hauptabendprogramm. Und vielleicht auch über die Rückkehr der Sendung ohne Namen. Hach, man wird doch wohl noch träumen dürfen.

Killing In The Name Of.

Während die unbeständige Novemberluft die Selbstmordrate ansteigen lässt, enthauptet sich ein 19-Jähriger mit der Motorsäge. Was folgt? Eine seichte Berichterstattung zum Thema Gewaltspiele.

Es hat zwar etwas länger gedauert, aber nachdem die Regionalausgabe der Rundschau begann, darüber zu berichten, stiegen auch einige weitere Zeitungen ein und verfolgten den gleichen Weg. Subjektive Aussagen, dubiose Vermutungen und den Zeigefinger in Richtung der sogenannten Killerspiele. Aber …

Hatten wir das nicht schon mal?  Schon 1999 wurden Computerspiele zum ersten Mal in Verbindung gebracht mit jugendlichen Mördern. Eric Harris und Dylan Klebold, die Schüler der Columbine High School in Littleton, die 16 Menschen hinrichteten, spielten gerne das Spiel „Doom“. Robert Steinhäuser, der Amokläufer von Erfurt und Bastian B., jener von Emsdetten, waren von Spielen wie Half Life oder Counter Strike fasziniert. Soll das nun also bedeuten, dass jeder Mensch, der Spiele spielt, in welchen man mit der Waffe auf virtuelle Menschen schießt, ein vernarrter, beinharter Mörder ist?

Wunderbar war wieder einmal die Berichterstattung der Rundschau. Die darin angeführten Aussagen eines scheinbaren Experten in Sucht- und Gewaltprävention, dem Polizisten Karl Meister, zeigen wieder einmal, wie banal das Thema gehandhabt wird. Er hätte von privaten und beruflichen Problemen gewusst, und wüsste in diesem konkreten Beispiel das eine bekannte Spieleserie der Auslöser war. Warum? Weil man darin mit der Kettensäge auf Monsterjagd geht. Als engagierter Polizist dürfe man nicht wie ein Politiker à la Edmund Stoiber agieren und die komplette Schuld auf Computerspiele abwälzen. Mir erscheint sein Grinsen eher ein Zeichen der Mediengeilheit zu sein.

Nicht anders zu erwarten, ist die Berichterstattung von ÖSTERREICH. Der „Autor“ Markus Hofer zieht eine Spur von Konjunktiven hinter sich her. Objektivität war man zwar von dieser Zeitung noch nie gewohnt, doch dass man sich in einer Berichterstattung so auf die Computerspiele wirft und ein Computerspiel als „ultrabrutales Machwerk“ bezeichnet, lässt einen noch heftiger den Kopf schütteln. Die Kronen Zeitung ist erwartungsgemäß um keinen Geud besser.

Nur Zeitungen wie die OÖ Nachrichten, Die Presse, Der Standard und die Salzburger Nachrichten scheinen nicht den Hauptvorwurf gegen Computerspiele zu erheben. Was bei subjektiver Berichterstattung in solchen Fällen immer sieht, ist die Tatsache, dass man vergisst, dass für eine solche Tat mehrere Faktoren Auslöser sind.

Private, berufliche oder liebestechnische Probleme hinterlassen vor allem bei Jugendlichen oft einen tiefen Eindruck. Dass man dann versucht, seine Wut gegen die Welt in Shooter-Spielen zu kondensieren, ist doch nur ein kleiner Versuch, vor diesen Problemen zu flüchten. Doch müsste schon sein soziales Umfeld darauf reagieren müssen, als er sich mehr und mehr in die virtuelle Welt flüchtete.

Bei allem kommt es darauf an, wie man es konsumiert. Ich bin zwar selber Computerspieler und hatte schon einige Male eine virtuelle Waffe in der Hand, doch so etwas wird erst gefährlich, wenn man wirklich exzessiv spielt. Spiele wie Resident Evil oder Doom sind keine ultrabrutalen Machwerke, sie spielen mit der Angst des Spielers und wurden so beide zu legendären Spieleentwicklungen. Dass dabei Blut fließt, virtuelle Menschen getötet werden, und der Krieg nachgespielt wird, hat so lange keinen Einfluss auf die normale Welt, bis man nicht mehr unterscheiden kann. Und gerade das muss man verhindern.

Solche Spiele komplett zu verbieten ist einfach Humbug. Was Österreich jetzt endlich braucht: eine Einrichtung, wie die deutsche USK, die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle. Mit Einstufungen zwischen „Freigegeben ohne Altersbeschränkung“ und dem schwarzen Quadrat „Keine Jugendfreigabe“. Und wenn das dann gesetzlich verpflichtet wird, und Verkäufer den Ausweiß kontrollieren müssen, wird zumindest einmal Teenagern der Zugang zu diesen Medien verwehrt. Was mündige Bürger ab dem 18. Lebensjahr machen, kann gesetztlich so nicht mehr nachverfolgt werden. Da kommt es einfach auf das soziale Umfeld an. Und daran hapert es eben immer öfter.

Technorati-Tags:presse, gewaltspiele, killerspiele, selbstmord, motorsäge, chainsaw, games, usk


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