
Nachdem nicht nur auf derStandard.at und neben allen anderen Blogs und Twitter auch hier sehr viel über die aktuelle Demonstration an der Hauptuni Wien diskutiert wurde, ist es wohl nicht grundlos, wenn ich noch einmal ans Mikro gehe. Der gestrige Eintrag sollte nur meine Solidarität zeigen, mein Unverständnis über eine demonstrationsunwillige Gesellschaft. Jetzt schaue ich noch einmal genauer hin.
Ich habe das Unileben ein Jahr lang mitbekommen. Publizistik an der Hauptuni, kurz auch Politikwissenschaften im NIG. Und so kann auch ich sagen: Es sind einfach unvorstellbare Zustände. Und das, obwohl ja im ersten Semester 2008 sogar noch Studiengebühren eingehoben wurden. Da frage ich mich wirklich: Was bringt die erneute Forderung nach der Einführung eben jener? Nichts, Herr Hahn, rein gar nichts. Nach 7 Jahren Studiengebühren bin ich ins Unileben geschlüpft und konnte nicht wirklich viel Positives vorfinden. Was solle sich denn da verändern, würde mich interessieren? Wenn man den Demonstranten vorwirft, realitätsferne Forderungen aufzustellen, dann möchte ich bitte auch von Wissenschaftsminister Hahn hören, was man durch die Einführung der Studiengebühren verbessern möchte. Ich höre bisher immer nur: Weniger Bummelstudenten, schnellere Abschlüsse. Werden wir dazu nicht automatisch verpflichtet? Wird es uns nicht sogar erschwert, mehrere zeitintensive Studien nebeneinander zu studieren?
Lustig finde ich wirklich auch die Aussage, dass die Demonstranten zwar „mehr Bildung“ fordern, aber durch ihre Demo im Audimax „weniger Bildung“ ermöglichen. Wie haarsträubend kann man eigentlich denn noch vergleichen?
Dann kommt die Frage rund um die STEPs. Publizistik arbeitete 2008 ja mit Zugangsbeschränkungen, man musste die Prüfungen rund um STEP 1, STEP 3 und STEP 4 nicht unbedingt schaffen, aber unter die besten 960 Studenten reinkommen. Was einerseits nicht wirklich schwer war, weil nur rund 1000 Menschen zu den Prüfungen antraten. Was mich an den STEPs ärgerte, war ihre Langweiligkeit. Da kommt man ins Studium, voller Vorfreude, und dann lernt man im ersten Semester von der „Einführung in das kommunikationswissenschaftliche Arbeiten“, der „Einführung in das kommmunikationswissenschaftliche Schreiben“ und sowas. Natürlich ist das wichtig (das Gleiche habe ich nun auch an der FH für Medienmanagement), aber soweit mir bekannt war, konnte man in ja anfangs nur diese drei STEPs machen. Wer dann noch Interesse am Studium hatte, wurde mit Medienkunde, Mediengeschichte und weiteren Fächern im 2. Semester belohnt. Warum muss man den Anfang so unglaublich abschreckend machen? Damit diese pösen pösen Bummelstudenten rausfallen? Da muss ich sagen: Nein … es trifft die Falschen.
Ich habe die Forderungen mal überflogen. Kann ihnen bei einigen vollkommen zustimmen, bei einigen durchaus, bei einigen natürlich auch gar nicht. Aber es muss doch etwas passieren! Michael Völker fand im Standard die richtigen Worte. Da haben wir schon mal einen Ansturm an Studenten und keiner freut sich drüber. Kein einziger Politiker erfreut sich daran, sondern man ruft nach Zugangsbeschränkungen, und versucht natürlich wieder gegen diese pösen pösen Bummelstudenten zu kämpfen. Und Hahn, so gern man ihn haben kann (kann man das?) ruft einfach nur wieder nach Studiengebühren? Hä?
Wo ist die Vision? Wo die Freude?
Zum Schluss (der Zug fährt in den Bahnhof ein) möchte ich noch sagen: Ja, ich bin bereit, Studiengebühren zu zahlen. So wie an der FH St. Pölten. Wer schon einmal dort studiert hat, versteht es. Ich habe einen fixen Platz (in einem Raum mit genügend Plätzen), die FH ist gut ausgestattet, die Vortragenden am neuesten Stand (und arbeiten nicht mit ihren eigenen Skripten von vor dem Krieg). Ja. Aber ich würde nie wieder an einer Universität wie jener in Wien Studiengebühren bezahlen. Ich schenke doch mein Geld nicht her.
Das Problem hier sind nicht die Demonstrationen an den Unis (wobei ich natürlich hoffe, das sich das auf ganz Österreich ausbreitet, wie ein Lauffeuer). Das einzig große Problem ist die Unfähigkeit eines gewissen Herrn Hahn, meine Hassperson Nr. 2 in der VP (ratet mal, wer auf Platz 1 kommt!). Er hat keine Ahnung, will nicht die Wissenschaft verbessern sondern das Elitentum forcieren. Und dem kann ich einfach rein gar nichts abgewinnen!
Und nun an alle VP-Wähler, denen ich gestern zu nahe getreten bin: Tut mir Leid, ich habe leider nur von keinem mir bekannten VP-Wähler gehört, dass man Demonstrationen toll finde, sie unterstütze. Meistens spricht man von linkslinken Veranstaltungen, den linken Träumern, von „man will ja nur nicht arbeiten/studieren“. Weil das ja die Linken immer so machen. So wie die VP-Wähler gerne die Linken verallgemeinern, so habe ich es eben gestern mit den VP-Wählern gemacht. Ausgleichende Gerechtigkeit, nicht?
Und was man den Demonstranten (neben ganz vielen Sachen) einfach zugute halten muss: Sie haben das Ganze wieder zu einem Gesprächsthema gemacht. Und das, meine lieben Leser, wurde ja wohl auch Zeit.
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